Doch man wandelt nicht ungestraft im gewitzten Zeitungslande und atmet nicht unverseucht die dollarschwüle Luft des brutalen Geschäftsgiganten Neuyork. Sofort meldet sich der Praktikus:
Gute Sache!
Famose Idee. Richtig erfaßt! Die Zeitung würde verärgert lachen, brächte man ihr eine volkswirtschaftliche Abhandlung über diese Schwitzläden, denn längst schon ist dieses Problem von allen Seiten beleuchtet worden. Sie wird sich freuen dagegen über das lebendige Schildern eines Schwitzladenmädels und ihres Arbeitstags. Man muß das nur richtig sehen. Auf die Augen kommt es an. Und man überlegt sich in raschem, geordneten, zierlichen Nachdenken, wie das gemacht werden muß. Unter welchem Vorwand man den Schwitzladen aufsucht. Wie man mit dem Mädel spricht. Wie man sie behandelt. Scharf umrissen wie ein Programm liegt die Arbeitsaufgabe da. Da ist auch schon der Titel:
»Ein Tag im Leben eines Schwitzladenmädels.«
Und aus dem nervösen Suchen und Tasten wird helle Arbeitsfreude. So, nun rasch in den Klub. Hören und sehen, was vorgeht. Das Schwitzladenmädel hat keine Eile.
In wenigen Minuten ist man im Klubrauchzimmer, in dem man sich noch etwas mehr zu Hause fühlt, als selbst in der gemütlichen kleinen Wohnung im Montgomery. Der riesige Tisch in der Mitte des Zimmers, hoch bepackt mit den neuesten Zeitungsausgaben, mit Zeitschriften und Reviews, ist wie ein lieber alter Freund. Die weiten Korbsessel, schwellend mit vielen Kissen ein jeder, laden zur Beschaulichkeit. Der weißbejackte Diener macht eine knappe Verbeugung, die mehr ein halb vertrauliches und halb ehrfürchtiges Kopfnicken ist, und bringt ohne besondere Order den winterlichen Morgentrunk. Die Whiskykaraffe, ein Kännchen mit heißem Wasser, ein Tellerchen mit einigen Zitronenscheiben. Man schlürft schwachen toddy, raucht die erste Zigarre —
Es ist ein stetes Kommen und Gehen in dem Raum von hastenden Menschen mit nervösen Gesichtern, die sich im jagenden Tagewerk fünf Minuten der Gemütlichkeit im weichen Sessel erhaschen wollen. Langweilige steife Formen gibt es hier nicht. Man nickt sich zu, spricht in kurzen knappen Worten, redet nur vom shop, von der Arbeit. Holloway kommt und setzt sich einen Augenblick zu mir.
»'was Neues?«
»Nein. Bei euch?«
»Wie üblich. Hast du Burtons Prozeßbericht gelesen? Glänzend! Gut für Dick!«