»Ob heute noch das Todesurteil ausgesprochen wird?«

»Großer Gott — nie wieder nehme ich ein Seltzerpulver...«

»Darf man dem armen Mann Blumen in die Zelle schicken?«

»Er hat's doch nicht getan! Man braucht ihm ja nur ins Gesicht zu sehen, um das zu wissen, Maud!«

So schwirrt und flüstert und schreit es in grellen Stimmen und man läßt sich schieben und stoßen und strengt nocheinmal Auge und Hirn zum völligen Erfassen an. Jawohl, der Eindruck ist gepackt. Die Idee war der Mühe wert...

Rasch ins Zeitungsgebäude, eine kurze Meldung bei Holloway, dann schreiben. Die Arbeit ist kinderleicht unter dem frischen Eindruck des Gehörten und Gesehenen, und kurz vor drei Uhr, gerade noch zur richtigen Zeit saust die fertige »copy« durch die pneumatische Tube von Holloways Schreibtisch hinauf in die Setzerei —

»Bye — bye, Holloway! Sei gut zu dir selber! Ueberarbeite dich ja nicht!«

»Get out!« ist die Antwort. »'raus mit dir!«

Und man besteigt die schwindelerregende Bestie von Expreßlift in dem angenehmen Bewußtsein, einen interessanten Arbeitstag hinter sich zu haben. Worin man sich gründlich irrt. Zwar weiß man das noch nicht, aber schon vermischt sich im Unterbewußtsein mit dem frohen Gefühl getaner Arbeit das rastlose Weiterhetzen, die Sorge um neues Schaffen. Während das Lift abwärts stürzt, denkt man an das einem vorläufig unbekannte Mädel in dem vorläufig unbekannten Schwitzladen. Wie mag es aussehen, dieses arme Mädel? Wo ist der Laden, dessen geringste Kleinigkeit mit den Augen des Verstehens erfaßt werden soll?

Ruck, hält das Lift. Hm. Ja. Zweifellos würde der oder jener im Klub auch über diese Seite Neuyorker Lebens Bescheid wissen, aber man wird darauf verzichten, sich aus Kollegenkreisen Informationen zu holen. Das wäre nicht sportsmäßig. Bleibt das Adreßbuch, persönliches Suchen — hm, es ist im Grunde sehr einfach. War doch eine famose Idee! Große Sache, dieses Schwitzladenmädel...