Nun wollen wir auf hören, zu reden von dem Grafen, der Gräfin und der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da war am Hofe des Sultans.
Wie der Peter eine lange Zeit blieb an dem Hofe des Sultans, und durch seine Geschicklichkeit regieret er den Sultan und den ganzen Hof; wann jedermann hätt ihn lieb.
Der Peter blieb eine Zeit lang an dem Hofe des Sultans zu Babilonien, und ward von ihm geliebet, als wäre er gewesen sein eigener Sohn. Der Sultan mochte auch kein Freude haben, der Peter wäre dann bei ihm. Doch hätt der Peter allwegen sein Herze zu der Schönen Magelona; wann er wußte nicht, wo sie hin war kommen. Also nahm er sich eines Tags für, Erlaubnis zu nehmen von seinem Herrn, seinen Vater und Mutter zu besuchen.
Und begab sich eins mals, daß der Sultan ein groß Feste hielt; und war fröhlich und gab vielen Menschen große Gaben. Da ersah der Peter die Zeit, und fiel für ihm auf seine Knie und sprach also: „Herr, ich bin lange Zeit gewesen an euerm Hofe, und durch euer sonderliche Gnade bin ich in viel Sachen, so ich euch für getragen, von euch erhört worden. Hab auch viel anderen Leuten ihre Sachen aus gerichtet, aber mir meiner halben zu geben, habe ich euch noch nie gebeten. Darum ich auf dies mal euer Gnaden bitten wollte, mir etwas zu geben, so ich nun begehren werde, und mir solches nicht ab zu schlagen.“
Als ihn der Sultan sah also demütiglich bitten, sprach er zu ihm: „Lieber Peter, es ist nicht weniger: was du für einen andern begehret hast, habe ich dir gütlich bewilliget; wie viel mehr, so du für dich selber willst bitten, will ich mit einem fröhlichen Herzen dir geben, was du begehrest. Darum begehre, was du willst; es soll dir von mir nicht ab geschlagen werden.“
Solcher gnädigen Vertröstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget zu ihm: „Gnädiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr wollet mir gnädiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe gewesen, habe ich nichts von ihnen mögen erfahren. Darum bitte ich euch, mir gütlich und gnädiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine Beschwerung zu haben!“
Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu ihm: „Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du baß gehalten würdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden, der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewußt gewesen wäre, daß du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich hätte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so zeuch hin! Doch wirst du mir verheißen, so du Vater und Mutter besucht hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du tun als ein Weiser.“
Das verhieß ihm dann der Peter zu halten. Nach dem ließ der Sultan einen Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er käme, sollte man den Peter halten als ihn selber, und daß man ihm in allem behilflich wäre, des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in großer Menge und ander Kleinod.
Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb hätten. Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen hätt, da erbot er dem Peter große Ehr, und führet ihn in eine kostliche Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er sich mit allem dem, so ihm vonnöten war. Und nahm den Schatz, den ihm der Sultan geben hätt, und ließ sich vierzehen Lägel machen, die auf beiden Seiten gefüllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres und fand zu Glücke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren.
Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wölle mit ihm nehmen mit den vierzehen Lägeln. Und saget, er wölle sie in ein Spital geben; des wölle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes den Peter hätt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wäre des wohl zufrieden, daß er mit ihm zöge; aber der vierzehen Lägel halben wölle er ihm raten, er ließe sie hinter sich und führe sie nicht mit. Wann so er in Provincia käme, fünde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wölle ihn gut bezahlen, alleine, daß er's ihm führe; wann er wollt's darhin führen, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter gehört, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er sölle sein Salz in das Schiff legen, und was er mit sich gedächte zu führen. Wann mit GOTTes Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stünde.