Diese Nacht hätten sie guten Wind, und ließen die Segel auf ziehen und kamen glücklich in eine Insel, Sagona geheißen. Und funden allda süß Wasser. Der Peter war müde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder, und als er ging, da fand er die schönsten Blumen. Also setzet er sich mitten hinein und vergaß also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den Blumen eine, die war die schönste ob allen, von Farben und Geschmack. Er brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schön Magelona. Da fing er an zu sagen: „Wie diese Blume übertrifft alle anderen Blumen, also auch übertrifft die Schön Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen mit Schöne.“ Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden großen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wäre kommen. In diesen Gedanken ward er schläfrig und leget sich schlafen.
Die Weil stund auf ein guter Wind. Da ließ der Patron rufen, jedermann solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, daß der Peter nicht vorhanden war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie riefen laut, aber er schlief zu hart, daß er's nicht höret. Als sie ihn nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind hätt, die Zeit nicht versaumen, und hieß, die Segel auf spannen; und fuhren also darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen.
Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen Lägel funden, sagten sie zu dem Patron: „Was söllen wir tun mit den Lägeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben, dieweil er gesaget, er wölle sie in ein Spital geben.“ Da wurden sie eins unter einander, die Lägel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann sie vermeinten, sie könnten es nicht baß anlegen. Da ging der Patron zu der Spitalmeisterin und saget ihr, daß der Herr der Lägel wäre verloren worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT für seine Seele bitten.
Wie die Spitalmeisterin einen großen Schatz fand von Gold, Silber und Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um
GOTTes
willen in das Spital gegeben wurden.
Es begab sich eines Tages, daß die Spitalmeisterin Salzes notdürftig war. Also nahm sie ein Lägel, machte es auf, da fund sie in der Mitte einen großen Schatz von Gold. Darvon erschrak sie, und nahm ein anderes, brach es auch auf, da fund sie auch, wie in dem ersten. Da saget sie bei ihr selber: „Ach, armer Mensch, GOTT der Allmächtig hab dein arme Seel! Wann ich sehe wohl, daß ich nicht alleine mit Schmerzen, Unmut und Trübsal umgeben bin.“ Darnach nahm sie die anderen Lägel alle und schlug sie auf, da fand sie einen großen Schatz.
Als bald ließ sie Maurer und ander Werkleut berufen und fing an, die Kirchen größer zu machen; und machet also ein schöne Kirchen und ein Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das Geschrei so weit, daß viel Volkes dar kam. Und brachten groß Almosen und Opfer, und verwunderten sich darob, daß die Spitalerin also kostlich wußte zu bauen; wann man hätt sich bei ihr keines Geldes versehen.
Wie der Graf und die Gräfin kamen, zu besuchen die Kirchen, Sankt Peters von Magelon genannt.
Der Graf und die Gräfin kamen auch, die Kirchen zu besuchen in großer Andacht und hörten allda Meß, darnach redeten sie mit der Spitalerin. Die Spitalerin tröstet sie beide auf das Beste, so sie vermocht, und sprach, sie sollten nicht zweifeln ob den Geschicken GOTTes, wann GOTT der Allmächtig möchte sie wohl noch erfreuen mit ihrem Sohn Peter, wie wohl sie selber des Trostes notdürftiger gewesen. Wann die zwei hätten alleine einen Schmerz ob des Verlusts ihres lieben Sohnes, was da menschlich ist. Aber die Schön Magelona hätt verloren ihr Königreich und hätt auch kein Hoffnung mehr darzu. Des gleichen war sie kommen in Ungnaden ihres Vaters und Mutter, zu dem hätt sie verloren ihren aller liebsten Gemahel Peter, darum sie dann wohl billig betrübt war. Nach dem zogen der Graf und die Gräfin wieder heim. Nun wöllen wir schweigen des Grafen, auch der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da lag in der Inseln und schlief.
Wie der Peter entschlafen in der Inseln liegen blieb, da er seiner liebsten und getreusten Magelona gedacht.
Der Peter blieb also eine gute Zeit schlafend in der Inseln liegen, darnach wachet er auf. Da sah er, daß es Nacht war. Des verwundert er sich und stund bald auf, ging zu dem Meer, da er das Schiff hätt verlassen. Als er das Schiff nicht sah, da gedacht er, die Nacht betrüge ihn, daß er's nicht sehen möchte. Und fing an, laut zu rufen, aber niemand antwortet ihm.