Da überkam er also einen großen Schmerz in seinem Herzen, daß er aufs Erdreich hernieder fiel, als wäre er ganz tot, und verlor ganz sein Vernunft. Und fing darnach an, herzlich zu weinen, und sprach: „O allmächtiger ewiger gütiger GOTT, werde ich nicht eins mals meiner Tage erledigt! Kann ich nicht sterben! Welcher Mensch ist auf Erden, den das Unglücke also verfolget, als ich verfolget werde! O allmächtiger ewiger GOTT, ist es nicht genug gewesen, daß ich also erbärmlich hab verloren die aller schönest Magelona, meinen getreusten Gemahel! Darnach ward ich durch Glücke gesatzet in Dienstbarkeit eines Heiden, eines Feindes des Christlichen Glaubens, dem ich gedient habe ohn meinen Dank eine lange Zeit. Itzunder vermeinet ich, zu trösten Vater und Mutter, so bin ich hieher in diese Wüsten kommen, darinne ich keinen menschlichen Trost finde. Darum mir der Tod nutzer wäre dann das Leben. Jedoch, allmächtiger GOTT, dieweil Du mir solches zu schickest, will ich's williglich von Dir empfahen, und verhoffe, durch diesen Tod werden sich alle meine Schmerzen leichtern und mindern.“

In solcher Weise weinet und beklaget sich der Peter die ganze Nacht bis an den Tag, und suchet in der Inseln, ob er möchte ersehen ein Schiff, das ihm aus der Inseln möchte helfen. Aber er mochte nichts ersehen. Da er sich mit dieser Trübsal umgeben sah, da gedachte er an GOTT; wann er vermeinet sich nahe zu seinem Ende, und bat Ihn, Er möge sich erbarmen über seine arme Seele.

In dem, da schicket GOTT der Allmächtig, der die Seinen nicht verlasset, daß ein Fischerschiff kam, darauf man süßes Wasser holen wollte. Als die Fischer in die Insel kamen, fanden sie den Peter gestrackt liegen, als ob er tot wäre. Also sie solches ersahen, hätten sie ein Mitleiden mit ihm, und gaben ihm zu essen Spezerei und Konfekt und zu trinken. Und legten ihn auf ihr Bette, und deckten ihn warm zu aufs Beste, als sie mochten.

Da er nun ein wenig wieder zu sich selber kam, da trugen sie ihn in das Schifflein und fuhren in eine Stadt, Crapona genannt. Da halfen sie ihm in das Spital und gingen also von ihm, und befahlen ihn dem Spitalmeister.

Nach dem er eine Zeit lang in dem Spital war und mochte wieder essen und trinken, sein Sach auch von Tag zu Tag besser ward, da wandert er in der Stadt um hin und wieder, ob er möchte gesunder werden. Aber die großen Schmerzen seines Herzens mochten solches nicht leiden und betrübten ihn zu sehr, daß er in der Stadt krank liegen blieb bei neun Monaten, und war auch dannoch nicht heil und gesund.

Eines Tags begab es sich, daß er spazieren ging an das Meer, wie er gewohnet war, und sah ein Schiff am Port, zu dem ging er. Da höret er die Schiffleut die Sprach seines Vaterlands reden. Da fraget er sie, wann sie heim wieder wollten fahren. Sagten sie ihm, auf das Längste in zweien Tagen. Da kam der Peter zu dem Patron und bat ihn um GOTTes willen, er wölle ihn mit ihm führen; er wäre auch aus dem Lande und wäre lange Zeit krank gelegen. Antwortet ihm der Patron, er wäre es willig zu tun um GOTTes willen, dieweil er ein Landsmann wäre, jedoch müßte er mit ihm fahren gen Toten-Wasser in der Inseln, genannt der Heiden Port. Da war er wohl zufrieden, und stieg also zu Schiffe.

In dem begab es sich eins mals, daß die Gesellen des Schiffs redeten von der Kirchen Sankt Peters von Magelon und dem Spital. Da der Peter höret reden und nennen Magelon, verwundert er sich und fraget, wo solche Kirche wäre an welchem Ende. Also sagten sie ihm, es wäre eine andächtige Statt und läge in der Insel, genannt der Heiden Port, da dann eine schöne Kirchen gebauet wäre und ein Spital, darinne GOTT viel Mirakel bewiese. Und sagten dem Peter: „Wir raten euch, daß ihr euch darhin verheißet, wann ohn allen Zweifel werdet ihr Gesundheit erlangen, so ihr euch gelobet von Grund euers Herzens.“

Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehöret hätt, da verhieß er GOTT, er wölle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund würde von seiner Krankheit und was höre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wäre tot vor dieser Zeit.

Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem Allmächtigen, daß Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er nun gebetet hätt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein Kranker, damit er seinem Verheißen genug tät.

Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu besuchen, da ersah sie ihn, daß er neulich war kommen. Und hieß ihn auf stehen, wusch ihm seine Händ und Füße und küsset ihn, wie sie gewohnt war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schöne weiße Tücher unter und hieß ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: „Alles, was ihr notdürftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr bald gesund werdet.“ Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr kamen.