Als der Graf und die Mutter solchen Willen ihres Sohns vermerkten, wurden sie nicht klein beschwert und traurig. Doch antwortet ihm sein Vater und sprach: „Peter, lieber Sohn, du weißt, daß wir keinen andern Sohn haben, dann dich einigen, auch keinen Erben, dann dich. So es dann dir mißlünge (da GOTT vor sei), würde unser Grafschaft und Herrschaft ganz verloren werden.“ Auch saget ihm sein Frau Mutter: „Es ist dir nicht vonnöten, die Welt zu suchen. Wann die, so die Welt suchen, tun es, Geld und Reichtum, auch der Herren und Fürsten Gnad, dardurch zu erlangen. So hast du, GOTT Lob, von Reichtum und Ehren in Waffen und Ritterschaft, auch Adel, Milde und Schönheit genug, als kein Fürst dieser Welt. Hast auch ein gut Gerücht überall durch dein Tapferkeit erlanget, zu dem ein schöne Landschaft, GOTT Lob. Warum begehrest du dann, ander Gut zu erlangen? Zeig doch an die Ursach, warum du willens seiest, uns also zu verlassen! Sieh an deines Vaters und mein Alter, und betrachte, wie wir kein ander Freud, noch Trost haben, dann allein von dir! Und so kein ander Ursach wäre, dich in deinem Fürnehmen zu verhindern, gedauchtet mich solche genugsam. Hierum bitt ich dich, liebster Sohn, als viel ein Mutter ihr Kind bitten kann, du wollest deines Hinziehens fürder schweigen!“

Als der Peter solchen Willen seines Vaters und Mutter vermerket, ist er sehr erschrocken, jedoch hat er mit nieder geschlagenen Augen auf ein Neues angefangen und gesaget: „Ich bin der, so euch gehorsam und willig in allen Dingen sein will. Jedoch, so es euer beider guter Willen wäre, bitt ich nochmals von euch beiden gnädige Erlaubnis! In dem werdet ihr mir einen großen Gefallen tun. Ein junger Mensch mag nichts Bessers tun, dann sich üben und die Welt durch suchen. Derhalben ich wiederum auf das Untertänigst bitte, meines Hinziehens kein Beschwernis zu tragen, sondern zufrieden stehen.“

Wie der Graf und die Gräfin ihrem Sohn Peter erlaubten, die Welt zu erfahren.

Als der Graf und die Gräfin solchen Fürsatz und Willen ihres Sohns vernahmen, wußten sie nicht, was ihnen darinne zu tun geziemen wölle: ihrem Sohn sein Bitten und Begehr abzuschlagen, oder zuzusagen. Wann ihr Sohn Peter blieb also auf den Knien, beider Antwort anzuhören. Und als er vermerket ihr lang Stillschweigen, fing er wieder an zu bitten also: „Aller liebster Herr Vater, mein untertänigst Bitten ist nochmals, ihr wollet mir gnädiglich erlauben!“

Darauf sein Vater also saget: „Liebster Sohn, dieweil du also einen großen Willen hast, die Welt zu sehen, so geben dein Frau Mutter und ich dir ein gnädige Erlaubnis. Doch gedenke, daß du nichts Übels handelst und tuest, das dem Adel entgegen sei! Hab GOTT den Allmächtigen lieb vor allen Dingen, und dien ihm alleweg! Hüt dich auch vor böser Gesellschaft, und komm, als zeitig dir möglich, herwieder! Nimm Pferd und Harnisch, Gold und Silber von dem Meinen, als viel dir vonnöten will sein!“ Da solches der Peter von Vater und Mutter gehört, danket er ihnen beiden gar untertänig.

In dem nahm ihn sein Frau Mutter auf einen Ort und gab ihm drei kostliche und hübsche Ringe, so eines großen Gelds geschatzt waren. Als er die selbigen empfangen, danket er seiner Frau Mutter aufs Demütigst. Und bereitet sich auf die Fahrt, nahm mit sich Edel und Unedel, ihm zu dienen. Nach dem nahm er Urlaub von Vater und Mutter, die ihm befahlen, gute Gesellschaft zu suchen, und die böse zu fliehen. Er sölle auch ihr beider eingedenk sein.

Also zog Peter hinweg, als heimlich, so ihm möglich; und ritt so lang, bis er kam in die Stadt Neapel, da der König Magelon, der Schönen Magelona Vater, Hof hielt. Und zog zur Herberg auf einen Platz, genannt auf den heutigen Tag der Fürsten Platz. Als er nun in die Herberg kam, befraget er sich der Gewohnheit des königlichen Hofes, und begehret von seinem Wirt, unterrichtet zu werden, ob auch fremde namhafte Ritter am Hof wären. Berichtet ihn sein Wirt, wie daß vor kurzen Tagen einer an Hof kommen wär, dem der König große Ehr bewiese von wegen seiner großen Mannheit, mit Namen Herr Heinrich von Crappana genannt. Dem zu Gefallen der König bestallt hätt ein Turnier (oder Stechen) auf den nächst zukünftigen Sonntag. Fraget Peter weiter seinen Wirt, ob auch die Fremden zu Turnieren zugelassen würden. Antwortet ihm der Wirt, ja gerne, doch daß einer auf die Bahn gerüstet käme nach aller Notdurft.

Wie Peter auf die Bahn kam, Ritterspiel zu üben, und stellet sich auf den niedrigsten Ort der Bahn als ein Fremder und Ausländer.

Den nach folgenden Sonntag stand Peter frühe auf, wann er begehret, die Schöne Magelona zu sehen, und höret Meß. Und ließ sich sein Pferd mit aller Zugehör versehen, des gleichen auch sein Kleidung. Wann er war willens, auf den Tag Ehre ein zu legen. Und ließ sich machen zween silbern Schlüssel auf seinen Helm, darbei er möchte erkannt werden, in der Ehr des Himmelsfürsten Sankt Peter; wann er liebet ihn, auch dieweil er den Namen von ihm hätt. Diese Schlüssel waren sehr kostlich und eines großen Gelds geschatzt. Ließ sich auch Schlüssel machen auf alle Decken seiner Pferd.

Da sich die Zeit nahet, auf die Bahn zu ziehen, hätt der König, samt seinem Gemahel und Tochter, auch anderen Jungfrauen und Frauen, zu Morgen gessen. Und stiegen auf einen Schaustuhl, dem Turnieren zu zu sehen. Also kam Peter, samt einem Knecht und Knaben, auf die Bahn gezogen. Und hielt am niedrigsten Ort der Bahn, wann er war fremd und unbekannt, und kennet ihn niemand, der ihn herfür gezogen, und oben an gestellt hätte.