Und da alle Ding bereit waren, da ging sie zu dem Peter und saget zu ihm: „Mein liebster Freund, kommet mit mir! Ich hab euch bestallt ein Bad, euch zu waschen euer Füße und Bein, das euch hilflich sein soll. Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem Allmächtigen, meinem Schöpfer, Er werde euch gnädiglich erhören, frisch und gesund machen.“
Er ging mit ihr in die Kammer. Da hieß sie ihn, nieder sitzen und verziehen, bis sie wieder zu ihm käme. Also ging sie in ihre kostliche Kammer und bekleidet sich ganz in die königlichen Kleider und setzet doch den Schleier wieder auf wie vor, als sie gewohnet war zu tragen, und daraus man ihr nichts mochte sehen dann alleine die Augen und die Nasen. Aber unter dem Schleier hätt sie ihr schönes Haar, das ihr ging bis auf das Erdreich und das da leuchtet als das Gold, schön zu gerichtet.
Ging also zum Peter und sprach: „Edeler Ritter Peter, seid fröhlich! Wann sehet hie vor euch stehen euern aller liebsten Gemahel und treue Freundin, die Magelona, von deren wegen ihr also viel erlitten habt. Ich hab auch nicht weniger erlitten von euert wegen. Ich bin die, so ihr, allein schlafend liegen, verlassen habet in dem Holze und wilden Walde; und ihr seid der, so mich hat heraus geführet aus dem Hause meines Vaters, des Königs von Neapel. Ich bin die, der ihr verheißen habt alle Ehr und Zucht bis zu Beschluß unserer Ehe. Ich bin auch die, so euch diese gulden Ketten an euern Hals hat gehenket, und euch die Gewalt übergeben über meinen Leib. Ich bin die, der ihr gegeben habt die drei Ringe, die also kostlich sein gewesen. Hierum, mein aller liebster Herr und Gemahel, sehet mich an, ob ich die sei, oder nicht, die ihr tut von Herzen begehren.“
In dem warf sie ihren Schleier von ihrem Haupt auf die Erden, da fiel ihr schönes Haar herab als das Gold.
Wie der Peter erkennet die Schöne Magelona, seinen getreuen Gemahel.
Nun, da der Peter von Provincia sah die Schöne Magelona ohn einen Schleier, da erkennet er sie erst recht, daß sie die war, die er also lang gesuchet hätt. Und stund auf, fiel ihr um den Hals und tät sie freundlich küssen in rechter guter Liebe; und fingen an, beide zu weinen vor Freuden. In solcher Gestalt blieben sie lang bei einander, und kunnt keins kein Wort reden vor großen Freuden.
Doch nach mals setzten sich die zwei zusammen, und erzählet eines dem andern sein Unglück. Ich weiß die Hälfte nicht zu erzählen der Freuden, die sie hätten, und geb solches einem jeglichen selber zu bedenken. Solche Ding lassen sich auch baß bedenken, dann schreiben. Jedoch mochten sie sich nicht ersättigen ihres Küssens und Erzählens und richteten den ganzen Tag nichts aus, dann küssen und einander zu klagen. Es begab sich auch, daß die Schön Magelona ihm an zeiget, wie sie die vierzehen Lägel hätt empfangen mit dem Schatz, die er verloren hätt; und saget ihm, wie sie die Hälfte hätt verbauet an dem Gotteshaus, was zu hören der edel Peter erfreuet war.
Nach dem beschlossen sie mit einander, wie sie diese Sachen dem Grafen und der Gräfin wollten zu wissen tun. Doch saget der Peter der Schönen Magelona, er hätte gelobet, einen Monat in dem Spital zu bleiben, und die Zeit wäre noch nicht vergangen. Saget ihm die Schön Magelona: „Mein aller liebster Herr und Gemahel, wann es euch gefiele, wollte ich zu dem Grafen und der Gräfin gehen und freundlich bitten, sie wollten zu mir kommen auf den Tag, so euer Gelöbnis sich endet. Und so sie dann kämen, wollte ich sie führen in diese Kammer; da wollten wir uns ihnen zu erkennen geben.“
Da solches der Peter höret, gefiel es ihm wohl. Also verschaffet die Schön Magelona, daß der Peter mußte schlafen in ihrer Kammer, aber sie lag in einer andern und dienet ihm wohl. In dieser Nacht schlief die Schön Magelona nicht viel vor Freuden, die sie in ihrem Herzen trug. Und begehret, daß bald Tag würde, damit sie den Grafen trösten möchte seines Leidens; wann sie wußte wohl, daß sie sehr betrübt waren, das sie dann beschweret. Es waren auch an dem Monat, den der Peter hätt gelobet, nicht mehr vorhanden dann vier Tage, daß er sich gegen Vater und Mutter nicht wollte zu erkennen geben.
Da nun der Tag kam, daß sein Gelöbnis aus ging, da kleidet sich die Schön Magelona wieder mit ihren Kleidern, die sie zu tragen gewohnet war in dem Spital; und ging darnach in die Kammer zu dem Peter, der dann auch vor großen Freuden die Nacht hätt wenig schlafen mögen, und nahm Urlaub von ihm. Zog also zu dem Grafen und der Gräfin, die ihr viel Ehr erboten und sie freundlich empfingen, wann sie hätten sie sehr lieb. Und hießen die Spitalerin, zu ihnen nieder sitzen in der Mitten ihrer beiden.