»Diese sind aber auch berühmt, Hoheit, und für die Berühmtheit muß man immer etwas leiden,« entgegnete Dolores.
»Ach ja, keine Rose ohne Dorn,« seufzte der junge Fürstensproß.
Prinzeß Alexandra hatte indes ihren Blick prüfend auf der Lehnsherrin vom Falkenhof ruhen lassen – sie gab viel auf den ersten Eindruck, den Fremde auf sie machten und auf den Blick, mit dem diese ihr ins Auge sahen. Die tiefdunklen und doch so klaren Augen mit dem reinen, ernsten Blick, in dem eine köstliche Schelmerei aufleuchten konnte, nahmen sie sogleich für die Schöpferin und Darstellerin der »Satanella« ein, und wie immer ihrem Impulse folgend, sagte sie:
»Ich muß Sie ansehen und immer wieder ansehen, Baronin! So jung noch und schon so berühmt! Mehr noch – so jung und doch schon so schaffensreich! Wie viel Schönes werden Sie uns noch schenken nach der Satanella!«
»Wer weiß, Hoheit,« erwiderte Dolores leise. »Vielleicht bin ich wie jene Musa, die nur eine Blüte hat, welche ihr das Lebensmark kostet. Und ich wollte ja auch nicht mehr begehren, wenn diese einzige Blüte, dies eine Werk mich überlebte und die Menschen Freude davon hätten.«
»Aber dieses Werk ist gut – alle Welt ist einig darüber,« rief der Erbprinz.
»Ich weiß, es ist noch zuviel vom schäumenden Most der Sturm- und Drangperiode darin,« entgegnete Dolores kopfschüttelnd.
»Lassen Sie sich das freuen,« meinte Prinzeß Alexandra herzlich, »die Zeit, wo Ihr Puls langsamer geht und der Hauch höherer Reife sich auf Ihr Schaffen legt, kommt noch früh genug – zu früh, und wir werden mit Schrecken gewahr, wie die Tage schwinden!«
»Das war ein gutes Wort, Hoheit, und ich danke dafür,« sagte Dolores ernst, und in diesem Augenblick reichte ihr die hohe Dame die Hand zum warmen Druck, aber als Dolores sich auf diese Hand herabbeugen wollte zum schuldigen Kuß, wie es die Etikette verlangt, da beugte sich die Prinzeß herüber und küßte sie auf die schöne, weiße Stirn.
»Aber nun muß ich meine Skizze vollenden,« rief sie, »die Beleuchtung ist jetzt so herrlich, fast zu schön für meinen armen Pinsel. Sie bleiben doch hier, Baronin?«