»Nein, wir lebten in Italien, bis mein Vater wieder in die Gesandtschaft zu Rio de Janeiro eingereiht wurde. Es hatte ihm viel Mühe gekostet, und als wir wenig Wochen dort waren, starb er.« –

»Ach ja, und dann erbten Sie jene großen Güter,« ergänzte der Doktor seine Begleiterin. Er war endlich auf dem Punkte angelangt, nach dem er gezielt.

»Ja, zu spät für meinen Vater,« bestätigte Dolores.

»So ist es also wahr, was Frau Fama ausposaunt, daß es Diamanten sind, die Sie auf Ihren Feldern ernten?« meinte Ruß in scherzendem Tone.

»Und Reis, Zuckerrohr und Tabak,« nickte sie harmlos.

»Also doch Diamanten,« beharrte der Doktor auf diesem einen Punkt. »Diamantfelder – das klingt für uns, die wir dem Boden nur schwarze Diamanten, d. h. Kohlen abringen können, wie ein Märchen.«

»Als ob sie bei uns wie Kartoffeln wüchsen,« lachte Dolores amüsiert. »Man muß oft Tage lang graben, ehe man etwas findet!« –

»Ei freilich, soviel wissen wir hier auch,« erwiderte Ruß behaglich lachend, denn er wußte nun, daß es Diamantfelder seien, welche Dolores besaß. »Es frägt sich bei derartigen Besitzungen nur, ob der Ertrag die Arbeit lohnt.« –

»O ja, denn wir finden auch Smaragden,« entgegnete sie sorglos, indem sie sich bückte, eine Blume zu pflücken, die sie dem Strauß in ihrer Hand einreihte.

Dann wandelten sie weiter auf dem schattigen, kühlen Waldespfade, der sich dann erweiterte und durch eine scharfe Biegung urplötzlich einem kleinen Schlößchen gegenüber endete, das wie ein Traum aus vergangener Zeit in einem Labyrinth von Rosen und hohen, grünenden Bäumen lag.