»Ich sagte Ihnen schon, Graf Schinga ist Herr auf Arnsdorf und ebensogut Ihr Nachbar als der Herzog von Nordland auf Monrepos,« erklärte er. »Er ist übrigens ein Original, das man selbst auf den Parketts fürstlicher Schlösser goutiert, und stellenweise von rückhaltloser Grobheit. Von seinen Extravaganzen erzählt man Wunderdinge, verschuldet ist er so tief als möglich, aber jeder Thaler, den er durch den Verkauf irgend eines seiner Pferde, Kühe etc. verdient, wird sofort in Champagner vertrunken. Daher bot er Ihnen, liebe Dolores, gleich seinen alten, steifbeinigen Shetland-Pony an, den er seit Jahren vergeblich in eine Reihe Sektflaschen zu verwandeln strebt. Daß, nebenbei gesagt, Münchhausen einer seiner Ahnen war, ist an ihm nicht verloren – er lügt wie gedruckt, glaubt aber selbst seine eigenen Erfindungen aufs Wort, und das ist das beste daran.«
»Nun, und seine Frau?« fragte Dolores.
»Ist eine polnische Prinzessin, infolgedessen ist auf Schloß Arnsdorf die Wirtschaft auch sehr polnisch. Man sieht sie selten oder nie, und über das Verhältnis zwischen den Eheleuten kursieren haarsträubende Geschichten, die ich indes nicht weiter verbreiten möchte, da ich nicht infolge eigenen Anschauens berichten kann. Thatsache aber ist, daß die Gräfin auf einem öffentlichen Balle in der Kreisstadt von ihrem Gemahl geohrfeigt wurde, weil sie seiner Ansicht nach zu lange mit einem der Offiziere gesprochen hatte.«
»Pfui, wie roh,« rief Dolores entrüstet.
»Nun, das soll einer der geringsten Liebesbeweise sein, die Schinga an seine Gemahlin verschwendet,« erwiderte Ruß. »Ja, es giebt wunderliche Menschenkinder, und mich wundert's nur, daß ein so schönes Mädchen, wie Prinzeß Bradnitzka es war, einen Menschen von Schingas Qualität heiraten konnte. Erklären Sie mir dieses Rätsel des Herzens, wenn Sie können – glauben Sie, daß es aus Trotz geschehen konnte?«
»Vielleicht – ich habe darüber noch nicht nachgedacht,« entgegnete Dolores sinnend. »Aber ich muß gestehen, daß ich eigentlich neugierig bin, die zweite Hälfte dieses Originals kennen zu lernen, um zu entscheiden, ob sie die bessere ist.«
»Die schönere ist sie jedenfalls,« sagte Ruß leise lachend.
»Das ist nicht schwer,« schloß Dolores dieses Thema.
Als sie nach dem Falkenhofe zurückkehrte, wurde sie von der eben angekommenen Tereza mit lebhaften Freudenbezeugungen empfangen. Tereza begann sofort die mitgebrachten Koffer auszupacken und sich selbst als erste Dienerin zu installieren, zum großen Verdruß der Dienerschaft, denen die schwarze Haut der armen Tereza ein arger Stein des Anstoßes war.
Die Negerin strahlte vor Stolz, ihre geliebte Herrin hier gebieten zu sehen, wo man sie früher nur geduldet hatte, und sagte ihr mit blitzenden Augen: