Die harmlose kleine Geschichte Kepplers fand die nötige Würdigung, erheiterte die Stimmung merklich und klärte die kleine Wolke, welche die scharfe Zurückweisung von Doktor Ruß' Einfluß auf und durch Dolores hervorgerufen hatte, vollkommen.

»Und nun zu des Pudels Kern,« meinte Falkner, indem er sich wieder an Dolores wandte. »Wir sind gekommen, dich zu bitten, deinen Geburtstag drüben bei uns in Monrepos zu feiern.«

»Ihren Geburtstag? Wann ist der?« fragte Keppler elektrisiert.

»Morgen,« erwiderte Dolores, und indem sie Falkners zulächelte, setzte sie hinzu: »Es ist so freundlich von euch, meiner zu gedenken, aber morgen müßt ihr mit euren Gästen zu mir kommen. Es ist mein erster Geburtstag als Lehnsherrin, und da muß ich doch allem, was da fleucht und kreucht im Bereiche des Falkenhofs, ein Fest geben, inklusive meiner Gäste, der Husaren. Also abgemacht?«

»Abgemacht,« rief Lolo, doch Falkner sagte:

»Schade –! Wir hätten dich gern bei uns gefeiert, doch ich sehe, daß du Pflichten an diesem Tage zu erfüllen hast.«

Da stieg eine feine Röte in ihre blassen Wangen.

»Es thut mir so leid, daß es nicht dein Geburtstag ist, den die Falkenhofer feiern sollen,« sagte sie leise mit bittendem Blick, als wäre es ihre Schuld.

»Ich weiß es und bin überzeugt davon,« erwiderte er freundlich und heiter, »und,« setzte er, nur für sie hörbar, hinzu: »was an Bitterkeit je davon bestanden – es ist bereut und überwunden, und zur Süßigkeit geworden –«

Da stieg wieder ein feines Rot auf in ihren Wangen – das zarte, duftige, hingehauchte Rot der Meeresmuscheln.