Als sie dann nach Hause fuhren, fragte Falkner seine Frau, was sie der Cousine zu geben gedächte.
»Abwarten!« erwiderte Lolo geheimnisvoll. »Ihr werdet alle Kopf stehen und ›paff‹ sein.« – –
Dolores war wirklich, wie der Engländer sagt, »out of sorts.« Sie war nicht gerade krank, aber sie war jenen kalten Schauern ausgesetzt, von denen der Volksaberglaube sagt: Der Tod lief über mein Grab. Diese Schauer kehrten so oft nicht wieder, um ernste Krankheitssymptome zu bedeuten, aber sie fühlte sich matt und müde und apathisch. Statt, wie sie es gewohnt war, stets beschäftigt zu sein, konnte sie jetzt stundenlang sitzen und denken. Aber ihre Gedanken wanderten dabei irr hin und her oder verloren sich in ein Dunkel und in solch' ungemessene Weiten, daß sie ganz erschöpft von dem Suchen und Halten in eine Lethargie verfiel, welche nicht abzunehmen schien, sondern sich oft so lange verlängerte, bis Tereza und Ramo vereint sie aufrüttelten. War sie dann im Gespräch mit anderen, so ward es besser, doch die Lebhaftigkeit und Schlagfertigkeit von früher war fort und von ihr gewichen.
»Ich bin zu allem zu faul,« sagte sie oft zur Gräfin Schinga, welche jetzt öfters kam und ihr Chopin vorspielte.
»Die Dilettantin muß die Meisterin anregen,« pflegte sie zu sagen, wenn sie sich zum Flügel setzte, aber Dolores hörte sie gern spielen, denn was ihr an tieferem Studium abging, ersetzten Genie und Instinkt.
Der Geburtstagsmorgen wurde wie alltäglich einer Porträtsitzung gewidmet, bei welcher Keppler ihr das eigene Porträt, wenn auch noch unvollendet, als Angebinde überreichte. Sie war überrascht und erfreut und wunderte sich doch, wie mühsam und farblos der Dank ihr von den Lippen kam. Dann kamen Herr und Frau Ruß und überreichten eine antike Armspange, welche sich in ihrem Besitz befand, und Dolores fragte sich, wie es möglich sei, daß das Grauen, welches sie gestern vor Doktor Ruß infolge einer optischen Täuschung empfunden hatte, heute wiederkehren konnte bei seiner wohlgesetzten kleinen Rede.
»Ich muß wirklich krank sein, daß ich so thöricht bin,« dachte sie, ohne das Furchtgefühl, das sie wieder beschlich, bekämpfen zu können, und erleichtert atmete sie auf als Engels erschien, gefolgt von Knieper, welcher zur Feier des Tages ein Halsband von Blumen und einen Strauß am Schwänzchen trug.
»Na, immer noch nichts gefunden von dem brasilianischen Meuchellumpen?« fragte der Verwalter in der Thür den öffnenden Ramo.
»Nichts, Herr Engels,« antwortete der Diener.
»Schadet nichts, werden den Galgenstrick schon kriegen,« versicherte der Frager mit Zuversicht.