»Schlecht ist zuviel,« meinte sie, »aber es ist ein merkwürdiger Geschmack, ich weiß nicht wonach – ein Geschmack, der mich verfolgt, denn ich habe ihn schon in gewöhnlichen Speisen und Getränken verspürt.«
»Einbildung, pure Einbildung, liebe Dolores,« sagte Doktor Ruß. »Aber es ist ein Beweis krankhaften Zustandes.«
»Freilich wohl! Denn woher schmeckten mir sonst verschiedene Dinge ganz gleich?«
Sie spielte eine Weile sinnend mit der Etikette des Fläschchens, welche »zweistündlich einen Theelöffel« vorschrieb und begegnete, aufsehend, dem auf sie gerichteten Blicke des Doktor Ruß. Nervös erregt, wie sie war, machte selbst dieser Blick sie erschauern, doch sie bekämpfte schnell ihr Unbehagen.
»Lieber Doktor,« sagte sie dann nicht ohne eine gewisse Verlegenheit, »nicht wahr, Sie sind nicht böse, wenn ich Sie und die Tante für den Monat, den ich noch hier bleiben wollte, auslade. Ich muß aber fort, sonst geht meine Gesundheit ganz zu Grunde. Ich denke, die See soll mir jetzt noch gut thun. Dafür aber besuchen Sie mich nächsten Sommer wieder hier recht lange, nicht wahr?«
»Natürlich, natürlich, liebe Dolores! Bedarf es zwischen uns der Formalitäten? Sicherlich doch nicht!« erwiderte Ruß hastig und lauter als gewöhnlich. »Und wann wollen Sie fort?« setzte er gespannt hinzu.
»Sobald die Einquartierung fort ist – also genau in einer Woche. Es wird mir schwer genug, auch diese noch hier zu bleiben, denn ich fühle, daß ich einer Reparatur meiner Nerven dringend bedarf.«
»Sicherlich,« stimmte Doktor Ruß zu. »Aber ein Wort noch, liebe Dolores, in dieser Sache. Sie können nicht allein reisen, nicht allein im Seebade bleiben – die Welt urteilt so leicht – und –«
»O nein, ich weiß, daß man den ›bösen Zungen‹ Konzessionen machen muß,« fiel sie ein, »obgleich ich gestehe, daß ich dieselben stets hart meinem Stolze und meinem reinen Bewußtsein abringen muß. Tereza ist unterwegs genug für mich, Ramo nicht zu vergessen, und im Seebade werden Balthasars mich bevatern und bemuttern.«
»Ah? Und dann?«