»Dann gehe ich auf vier Wochen zu der Großherzogin auf deren Lustschloß an der See – wir haben das schon abgemacht. Den Winter aber verlebe ich mit dem alten Freunde meines Vaters und dessen Gattin in Italien.«
»Also alles fait accompli?«
»Alles. Nicht wahr, Sie sind nicht böse, daß ich Sie für diesen folgenden Monat aus-, und daher zum nächsten Sommer einlade. Aber wäre ich nicht so ›Halali,‹ wie Engels es bezeichnet, so wäre ich sicherlich geblieben,« schloß sie liebenswürdig und reichte ihm die Hand, welche feucht und kalt war.
Doch obgleich Doktor Ruß sich vollkommen wohl befand, so hatte Dolores von seiner Hand genau dieselbe Empfindung, die sie abstieß und ihr unangenehm war.
»Nun, das fehlte noch, daß Sie sich deswegen bei uns entschuldigen wollten,« erwiderte er heiter, aber mit belegter Stimme.
»Und Sie? Wohin werden Sie die Achse lenken?« fragte Dolores.
»Jedenfalls zuerst nach Berlin,« meinte er sorglos. »So wenigstens habe ich es mit meiner Frau besprochen.«
Bald darauf verabschiedete er sich und stieg in seine Wohnung herab, wo seine Frau nähend saß.
»Dolores ist auf, will fort und hat uns gekündigt,« sagte er mit forcierter Lustigkeit. Und als Frau Ruß erstaunt aufsah, setzte er, etwas aus der Rolle fallend, hinzu: »Du brauchst mich nicht so erstaunt anzuglotzen, wie die Kuh das neue Thor – heut' über acht Tage wird der Falkenhof geschlossen, und wir sind mit einer Einladung fürs nächste Jahr an die Luft gesetzt. Fürs nächste Jahr! Wenn du ein Murmeltier bist, so lege dich bis dahin schlafen, oder wenn du ein Dachs bist, so vergrabe dich und zehre an deinem eigenen Fett, wie es diese ökonomischen Tiere zu thun pflegen!«
Und damit lachte er höhnisch und ging in sein Zimmer, dessen Thür er hinter sich verriegelte.