»Sie haben mir noch immer nicht gesagt, warum Sie hier sind zu so ungewöhnlicher Zeit,« erwiderte sie kühl, aber im Herzen ein vages Gefühl von Angst.

»Ich war aufgewacht, und es war mir eingefallen, daß ich vergessen hatte, Ihnen zu sagen, Sie sollten nur die halbe Dosis des Schlafmittels nehmen,« erklärte er sein Erscheinen plausibel genug. »Da hatte mich die Angst, Ihnen durch Nachlässigkeit geschadet zu haben, aus dem Bette getrieben, und ich war leise heraufgekommen –«

»Sehr leise. Zu leise für Ihre gute Absicht,« warf sie ein.

»Aber ich sehe zu meiner Beruhigung, daß Sie das Mittel gottlob gar nicht gebraucht haben,« schloß er.

»Doch,« sagte sie, »ich habe es sogar ungeteilt genommen – Ihre Vorsicht käme also zu spät, wenn das Mittel, wie alle Mittel des Doktor Müller, nicht so ausgezeichnet wirkungslos gewesen wäre.«

»Genommen? Das Ganze genommen?« wiederholte er wie ein Träumender.

»Bis zum letzten Tropfen,« nickte Dolores etwas spöttisch.

»Das ist nicht wahr!« brach er los.

Da erhob sie sich heftig, schritt in ihr Schlafzimmer und kam gleich darauf mit der leeren Flasche zurück, die sie auf den Tisch warf.

»Hier,« sagte sie sprühenden Blickes. »Und nun verlassen Sie mich, und wenn ich's Ihnen nachsehe, daß Sie mich der Lüge geziehen haben, so schieben Sie's auf das Konto dieser späten Stunde, in der Sie vielleicht nicht wußten, was Sie redeten!«