»So lange noch Leben ist, ist auch noch Hoffnung,« erwiderte der Arzt.
Das war aller Trost, und er war, bei Gott, schwach genug.
***
Noch am selben Abende reiste Doktor Ruß ab, nachdem er eine längere Unterredung mit seinem Stiefsohne gehabt.
Die Husaren aber ließen ihre Trompeter noch einmal blasen – als Lolo Falkner in die Gruftkapelle zur ewigen Ruhe gebettet wurde.
Die pathetischen Klänge des Chopinschen Trauermarsches und das Läuten des Totenglöckchens, das der Wind hinübertrug zum Falkenhofe, weckten Dolores aus dem Halbschlummer, in welchem sie seit den letzten drei Tagen fortwährend gelegen.
»Was ist das?« fragte sie.
»Sie tragen Alfreds Frau zur Gruft,« erwiderte Frau Ruß, welche daheim geblieben war, angstvoll, ob es die Kranke zu hören sehr erschüttern würde.
»Die arme Lolo,« sagte Dolores, indem heiße Thränen aus ihren Augen stürzten. »So reizend, so jung, und seine Frau! Da scheint das Sterben allzu hart.«
»Sie ist glücklich, denn sie ist bei Gott,« entgegnete Frau Ruß. »Hart ist das Sterben nur für die, welche zurückbleiben.«