»Ja, Vater. Wozu auf morgen verschieben, was man heut' ebensogut erfahren kann?« –
»Ja, ja! Also nochmals: Glück auf, Emil!« –
Der Erbprinz küßte seines Vaters Hand und verließ Monrepos auf dem Wege zum Falkenhofe. Er ging aber nicht schnell, wie ein Mensch, der seiner Sache gewiß ist. Langsam schritt er hin und blieb oftmals grübelnd stehen, aber am Ende kam er doch an sein Ziel und wurde von Ramo unverzüglich bei der Herrin des Falkenhofes gemeldet.
Draußen brütete die Schwüle des Sommernachmittags über den Bäumen – aber die Sonne neigte sich schon nach dem Westen. Die dicken Mauern, wie sie nur die Architektur vergangener Jahrhunderte kannte, ließen nicht viel Hitze von außen hinein in die gewölbten Räume des Falkenhofes, und erquickt atmete der Erbprinz die Kühle ein, die ihm beim Eintritt in das feudale Schloß entgegenwehte. In denkbar kürzester Zeit kam Ramo wieder herab und meldete, daß Dolores den Erbprinzen erwarte. Gerade als letzterer sich anschickte, die Treppe hinaufzusteigen, erschien Doktor Ruß in der Vorhalle und begrüßte überrascht den hohen Besucher und schickte sich an, denselben nach oben zu begleiten.
»Ich war gerade im Begriff, meiner Nichte dieses Buch, das eben eintraf, zu bringen,« sagte er, auf eine Broschüre in seiner Hand deutend.
Doch zu seiner größten Überraschung nahm der Erbprinz ihm das Heft aus der Hand, ohne auch nur einen Blick auf den Titel zu werfen.
»Ich kann Ihnen diese Mühe abnehmen,« meinte er, grüßte freundlich, aber in der Weise, welche nur den Regierenden eigen ist, wenn sie jemand entlassen, und schritt, dem voraneilenden Ramo folgend, die breite, teppichbelegte Treppe zu dem von Dolores bewohnten Flügel hinan.
Doktor Ruß aber richtete sich von seiner tiefen Verbeugung auf und konzentrierte sich rückwärts nach seinen Gemächern.
»Das war kurz – und deutlich,« murmelte er vor sich hin. »Hm! Hm! Also man will allein sein oben. Vielleicht enfin seuls! Und warum will man allein sein? Weil man etwas zu besprechen hat, wozu ein Dritter überflüssig ist. Um das zu erraten, dazu gehört nicht viel Kombinationsgabe. War dieser Besuch erwartet? Kommt er unerwartet? Schade nur, daß –«
Und die Gedanken des Doktor Ruß verloren sich in ein vielsagendes Kopfschütteln.