Oben im Korridor aber sagte der Erbprinz zu Ramo:
»Ich wünsche Ihre Herrin, die Baroneß, allein und ungestört zu sprechen. Bitte, sorgen Sie also dafür, daß niemand gemeldet oder ungemeldet eindringt, so lange ich hier bin. Niemand; – auch Doktor Ruß nicht!«
»Sehr wohl, Hoheit,« erwiderte Ramo respektvoll, aber nicht servil. Er mochte den Erbprinzen gern leiden, den Doktor Ruß aber nicht, trotzdem sich letzterer stets sehr freundlich dem Kammerdiener gegenüber zeigte.
»Willkommen, Hoheit,« sagte Dolores, als der Thronerbe bei ihr eintrat. »Ah – Sie bringen mir ein Buch!«
»Ich nahm es Doktor Ruß ab, der es Ihnen eben bringen wollte,« erklärte der Erbprinz, die dargebotene Hand küssend.
»O, zu gütig –« –
»Nein, es war keine Güte, nicht einmal Gefälligkeit. Ich wollte Sie heut' allein sprechen.«
»Allein, Hoheit?« fragte Dolores erstaunt. »Das klingt ja ganz mysteriös und macht mich sehr neugierig. Sind es Staatsgeheimnisse, welche ich hören soll?« –
»Auch das,« erwiderte er, auf ihren Ton eingehend. »Große Staatsgeheimnisse eines kleinen Staates. Also nur für Ihre Ohren allein bestimmt!« –
»Ei, wie reizend! Ich habe mir immer gewünscht, Mitwisserin von Staatsgeheimnissen zu sein,« meinte sie nicht ohne ein leises Staunen, denn er hatte den letzten Satz merkwürdig ernst gesprochen, ernster, als er sonst zu reden pflegte.