„Irgend eine schöne Frau,“ sprach Herr Kannegießer, „dazu sind unsere Frauen und Töchter gut genug, daß ein vornehmer Herr mit ihnen carressirt und sie zuletzt verführt. Ich hasse den Adel!“
„Ist doch ein guter Kerl,“ meinte Herr Moses Samson, „das genießt das Leben, weil es noch jung ist. Haben wir es anders gemacht?“
„Ja, ja!“ erwiederte Herr Kannegießer, „aber wat to dull is, dat is to dull!“
„Nun, was ist es denn Großes, was er thut? Die Weibsleute sehen ihn gern. Er ist ein schmucker Bursche! Na, thut er denn da Unrecht, Timm?“
„Das meine ich auch so,“ entgegnete der Befragte, eine neue Cigarre anzündend, „der Baron ist ein guter Mann, er ist leutselig und freundlich gegen Jedermann. Das muß man ihm lassen.“
„Wenn alle die Vornehmen so dächten wie er, dann sähe es besser in der Welt aus;“ bemerkte Herr Samson, sein Auge zum Himmel schlagend.
„Das hilft mir Alles nichts“ sagte Herr Kannegießer. „Ich traue keinem Adeligen. Sie haben immer ihren geheimen Zweck, wenn sie mit uns gemeinen Bürgern freundlich thun. Entweder wollen sie unser Geld, unsere Weiber, oder sich einen Anhang unter uns bilden. Ich kenne das. Dem Baron traue ich am wenigsten. Er ist klug und thut nichts ohne Absicht. Er glaubt uns durch seine Freundlichkeit einzunehmen und zu täuschen, aber mich täuscht er nicht. Ich erkenne in ihm den größten Aristokraten; er will sich unserer versichern, auf den Fall, daß es losginge. Glaubt mir aber gewiß, so gut er redet und schreibt, er hält es nicht mit dem Volke! das thut kein Altadeliger. Uebrigens treibt er es zu arg und macht Schulden.“
„Was geht das dich an“ versetzte Herr Keball. „Sollst du vielleicht für den Baron bezahlen? Laß doch einen jeden thun, was er will, und kehre vor deiner eigenen Thüre. Wenn du ihn nicht leiden kannst, warum bist du denn freundlich gegen ihn ins Gesicht, und sprichst schlecht von ihm, wenn er den Rücken wendet?“
„Ich wollte ihm schon die Meinung sagen, wenn — wenn — er den verdammten Bulldog nicht immer bei sich hätte — außerdem ist er oder seine Familie mit dem Oberpräsidenten verwandt — dat helpt doch to nix.“