„Das ist das Wenigste — aber Sie fürchten den Mann,“ bemerkte Herr Moses Samson. „Sie haben es in den Worten und nicht in der That. Es schmeichelt Ihnen, wenn Sie mit dem Baron über die Straße gehen, und hinterher reißen Sie ihn herunter. Ein populärer Mann ist deßhalb kein gemeiner Mann. Nichts für ungut, aber Sie sind nicht werth, daß ein Mann, wie der, mit Ihnen redet. Adieu!“ Herr Moses Samson legte zwei Schillinge auf den Tisch und entfernte sich.

Herr Kannegießer lief einige Male das Zimmer auf und nieder; rieb sich den Kopf und stürzte dann aus dem Zimmer.

Herr Keball sah ihm lachend nach, besah einige seiner Goldmünzen, drehte sie in der Hand um, und murmelte in sich hinein: „Adel, Verstand und Politiker, was sind sie Alle gegen Dieses? Das sind Moses und die Propheten.“

Darauf ging auch er. Hippias, der Küper und ich blieben alleine.

„Nun, wie findest Du diesen Keller, die Gesellschaft, und wie hat Dir diese Scene gefallen?“ fragte ich nach einer Pause.

„Nun, passabel!“

„Ich finde sie gut, wenn ich bedenke, daß die Gesellschaft nur aus Handwerkern von Profession bestand. Was sagst du aber zu dem Juden? Ich sage Dir einen bessern Kerl giebt es in der Welt nicht.“

„Der Jude sprach ganz vernünftig. Es freute mich, daß er die Partei des Barons nahm. Er steht aber wohl mit ihm oder seiner Familie in Handelsverbindungen?“

„Durchaus nicht. Du glaubst also, daß in unseren Zeiten nur dann ein Mensch den andern in Schutz nähme, wenn er von ihm Vortheil gezogen oder noch zieht? Leider hast Du im Allgemeinen Recht! Wir leben in einem rein speculativen Zeitalter. Der ist ein Narr zu nennen, der seinem Gefühle und nicht seinem Vortheile folgt! Es ist mir leicht geworden diese Wahrheit einzusehen, schwerer sie zu befolgen. Von Jugend aus gewohnt, edlen Gefühlen, großmüthigen Aufwallungen Gehör zu schenken, ist es mir bisjetzt noch nicht möglich gewesen die kleinlichen Berechnungen des Egoismus, des pecuniairen Vortheils zu adoptiren. Man muß dieses aber thun, wenn man in der Welt durchkommen will. Wer auf Unkosten seiner selbst seinem Mitbruder aus der Noth hilft, wird ausgelacht. Unser Zeitalter ist ein rein speculatives, commercielles, financielles. Die großartigen Ansichten des ritterlichen Zeitalters sind gestürzt — an die Stelle der Ritter und ihrer Knappen, sind die Erwerbsmänner mit ihren Fabrikherren und Arbeitern getreten. Da sie Alles durch sich selbst, ihrer Hände Arbeit und ihren Erwerb oder ihr Geld wurden, so ist es natürlich, daß nur der Mann jetzt geachtet wird, der arbeiten läßt, oder arbeiten kann, und daß das Geld die einzige Schwungfeder ist, die Alles in Bewegung setzt.“

„Eine traurige Wahrheit. Die Gefühlswelt ist zernichtet, und das practische, reelle Leben an ihre Stelle getreten!“