„Es ist nicht mehr ganz früh,“ sprach ich, die Uhr betrachtend. „Wir könnten freilich einige Häuser von hier bei Kittel einkehren. Wir würden dort eine sehr schöne Frau, ein gutes Glas Wein und Englische Zeitungen finden. Wir haben aber schon genug getrunken! Darum vorbei! — Einige hundert Schritte weiter, und wir würden die Wahl zwischen Carl und dem Trichter haben. Es ist freilich Alles recht gut in diesen Häusern, wir haben aber schon Alles genossen, was wir da finden können. Der Trichter ist freilich eins der berühmtesten und besuchtesten Cafée-Häuser, weil er in der Mitte zwischen Altona und Hamburg liegt. Ich wenigstens kann nichts Anderes finden, wodurch er sich vor den übrigen Cafée-Häusern auszeichnete. Ich liebe nicht diese Menschenmassen; am wenigsten hier. Man glaubt in einer solchen Masse sich zu verlieren, unbemerkt zu sein; spricht frei und offen, und man wird bemerkt, jedes Wort gehört und weiter getragen. Wir könnten jetzt noch zu Risch in die Elb-Halle gehen, wo wir eine vortreffliche Musik, einen aufmerksamen Wirth, gute Kellner finden würden. Schon aus dem Grunde, weil der Wirth ein braver Schweizer ist, müßten wir hingehen. Wir würden dort aber zu lange bleiben, weil es dort zu angenehm ist. Ich schlage daher vor, weil Hippias darauf besteht, den berühmten Dichter zu sehen, sogleich nach den Vier Löwen zu gehen.“

Der Vorschlag wurde gebilligt. Unser Droschkenkutscher, der sich kluger Weise in unserer Nähe gehalten hatte, rasselte auf einen Wink von mir herbei. — Bald saßen wir im Wagen und nach einigen Minuten hielten wir vor den Vier Löwen, stiegen aus und traten in den hellerleuchteten Tanzsaal dieses Locales.

Ich muß es der Einbildungskraft meiner Leser und Leserinnen überlassen, sich den Tumult, das Leben und Treiben in einem öffentlichen Hause zu denken. Wir blieben so kurz, als möglich dort, sahen Herrn Clemens Gerke, und schlugen unseren Pfad nach der Allee ein, welche zum Trichter führt. Wir wandelten sie mehre Male auf und nieder. Ein sehr elegant gekleidetes Frauenzimmer schien unsere Schritte zu verfolgen und wußte es so einzurichten, daß sie endlich Hippias mit dem Arme berührte. Er bat um Entschuldigung. Das junge Mädchen blieb stehen und redete ihn folgendermaßen an:

„Sie sind wohl ein Fremder, mein Herr?“

„Ja wohl. Und woher sind Sie?“

„Ich bin allerwärts und nirgends zu Hause, und jetzt in den Vier Löwen. Waren Sie nie in Hamburg?“

„Ja wohl, mein Kind.“

„Hatten Sie nicht Verwandte in Uetersen?“

„Auch das. Doch warum?“

„Hatten Sie auch eine Tante, die dort wohnte?“