Es entstand jetzt eine Veränderung in dem Salon Janßens. Drei englische Schiffscapitäne nebst ihrem Steuermann traten in das Zimmer, warfen sich auf die ersten, besten Stühle nieder, und bestellten ein Glas Gin and water. Die Schenk-Mamsellen, ihrer Pflicht, gegen Jedermann zuvorkommend zu sein, eingedenk, begrüßten die edlen Briten mit einem Kugelregen ihrer Blicke. Eine anderweitige Unterhaltung war leider nicht möglich. Denn die hochherzigen Söhne Albions hatten es in der Verachtung „alles Fremden“ so weit getrieben, daß sie sich nie hatten entschließen können, eine fremde Sprache zu lernen. Die Augensprache und einige kräftige God damns oder God bless my soul! mußten das Ihrige thun. Die Augen wurden daher in Bewegung gesetzt, und da sie von dem eigenthümlichen Feuer einiger vorhergenossener Bouteillen Portwein glühten, so richteten sie ein höllisches Feuer auf die Reize der liebenswürdigen Schönen, vor welchem jedes andere Mädchen die Augenlieder gesenkt, und zurückgebebt haben würde. Dieses war aber keinesweges bei den tugendhaften Schenk-Mamsellen der Fall. Englische Schiffscapitäne sind gewöhnlich gut mit Geld versehen, trinken gut und kehren in der Regel immer wieder da ein, wo sie sich einmal gut gefallen haben. Drei vortreffliche Eigenschaften, die man stets berücksichtigen muß. Die drei jungen Schönen bereiteten sich daher zum Angriffe auf die Herzen der tapfern Seemänner vor. Die unschuldige Linon zog die Flagge jungfräulicher Empfindsamkeit auf, richtete den schönen Blick auf eine Rose, welche sie in der Hand hielt, und von Zeit zu Zeit auf den dicksten der drei Seelöwen, welcher mit starrem Auge dies liebliche Bild betrachtete, und endlich entzückt auf englisch ausrief: God damn! Sie sieht gerade aus wie eine Engländerin!“

Die muntere Thereson schritt direkt zum Angriff, den sie auf den jüngsten und lebendigsten der drei Engländer dirigirte, warf sich mit liebenswürdiger Nachlässigkeit auf den neben demselben stehenden Stuhl — sah ihn lange schalkhaft mit ihren klugen Augen an und sprach dann auf das Glas zeigend: „Trink Sir! Meine Gesundheit, Sir!“

Mlle Jeannette aber ergriff die Guitarre und sang mit einer angenehmen Stimme die Liebe des vaillant Dunois zu der schönen Gabrièle.

Wir waren indessen lange genug dort gewesen; ich gab daher meinen Freunden ein Zeichen. Wir erhoben uns von unseren Sitzen, sagten Janßen gute Nacht und entfernten uns.

Auf der Straße blieben wir einige Augenblicke stehen.

„Wohin, jetzt?“ fragte ich.

„Wohin Sie wollen,“ entgegnete der Baron.

„Mir gleich!“ sprach Herrmann Bleicamb.

„Führe uns,“ sagte Hippias. „Vergiß aber nicht, daß ich den Clemens Gerke sehen will.“