„Ich muß Ihnen was sagen. Ich bin in der größten Verlegenheit. Mein Hauswirth hat mich grob behandelt. Ich kann dort nicht wieder zurück. Ich habe kein Geld. — Meine Revenüen sind ausgeblieben. Ich weiß nicht, wo ich hin soll.“

„Aber können Sie nicht von Ihrem Consul, von Ihren Landsleuten Unterstützung erhalten?“

„Nein, antwortete er — das kann ich nicht. Alle Holländer, die hier sind, sind meine Feinde; und den Consul haben sie gegen mich eingenommen, weil sie wissen, daß ich alle ihre schlechten Streiche kenne, die sie in Holland machten, und fürchten, ich könnte sie dem Consul wieder erzählen. Ich war Greffier beim Tribunal in Holland.“

„Dann sind Sie wirklich in einer schlimmen Lage,“ antwortete ich. „Ich selbst habe kein Geld und kann kaum für mich leben. Sie hatten ja aber gestern noch so viele Hoffnungen mit der Zeitung von St. Pauli?“ —

„Ich hörte Ihren Namen, hielt Sie für reich und hoffte, durch Sie es zu bewerkstelligen.“

„Na! dann haben wir uns Beide in einander getäuscht!“ rief ich lachend.

„Aber was soll aus mir werden?“ fragte der Doctor mit klagender Stimme. „Ich habe kein Geld, kein Obdach, kein Essen, keine Kleidung, keine Wäsche!“ — Ich besann mich einen Augenblick. Dann sagte ich: „Herr Doctor! Ich kenne Sie nicht, aber Sie scheinen ein Mann von Ehre zu sein, obgleich es mich wundert, daß keiner Ihrer Landsleute sich Ihrer annimmt. Ich selbst habe fast Nichts, lebe nur von der Güte meiner Familie; aber wollen Sie das, was ich habe, mit mir theilen, so steht es Ihnen zu Diensten. Ich kenne das Herz des Herrn Bockendahl; er wird mir erlauben, Sie bei mir aufzunehmen. — Ich weiß vorher, daß diese Handlung mir verdacht wird; aber ich kann keinen Menschen in einem solchen Elende lassen.“ — —

„Ich merke was!“ rief mit einem Male der wunderbare Mann. „Sie sind mein Freund! Ich kann Ihnen helfen! Ich werde Ihnen helfen! vorausgesetzt, daß Sie ehrlich sind. Sie sind es!“

Der Baron blickte mit Verwunderung auf den wunderbaren Mann. Um die Lippen des Herrn Janßen spielte ein sonderbares Lächeln.

„Eine Flasche Wein, Janßen!“ sagte der wunderbare Mann. „Zwei Gläser! für mich und diesen Herrn! Die materiellen Interessen jedes Menschen müssen befriedigt werden. Wenn man durstig ist, muß man trinken! Komm her, Wilhelm, Du mußt mittrinken. Wilhelm! Ich habe Dich so lieb! Nicht wahr, Du hast mich lieb? Ja! Denn Du bist ehrlich!“ — — —