„Laßt uns weiter gehen. Ich bin ermattet und angegriffen,“ sprach er weiter.
„So laßt uns zu der Heitmann gehen und dort Austern essen und Porter trinken. Auch können wir dort Mondenschein vom Balcon schlürfen,“ schlug der Baron vor.
„Ich bin dabei! Wir wollen jetzt sentimental werden!“ rief Herrmann Bleicamb.
Wir richteten unsere Schritte nach der London-Tavern. Der Mond leuchtete unsern Schritten. Wir waren bald dort; schritten durch die Billiardsstube, dem großen Saale, dem Balcon zu. Dort angelangt, setzten wir uns nieder, und bestellten Austern und Porter. Das Geforderte erhielten wir schnell.
Der sanfte Mondenschein, die dicht vor uns fließende sanft bewegte Elbe, die vor uns liegenden Inseln derselben, die in Nebel gehüllten Gestade des Hannoverschen, das Vorbeigleiten einer verspäteten Barke, das dumpfe Läuten aus den vor Anker liegenden Schiffen, der melancholische Ton des einförmigen Liedes eines wachthabenden Seemannes — Alles dieses machte einen feierlichen Eindruck auf uns. Stiller und ernster, als wir Alle, war aber Hippias.
„Es muß Dir etwas Außerordentliches mit dem Mädchen begegnet sein, Hippias, dürfen wir es wissen?“ fragte ich.
„Warum nicht. Wenn gleich es nichts Außerordentliches, und gewiß schon einem Jeden von uns arrivirt ist, so kann ich nicht leugnen, daß dieser Vorfall einen tiefen Eindruck auf mich gemacht hat, und ich würde nicht werth sein, ein Mensch zu sein, wenn dieses nicht der Fall wäre.“
„Du machst mich begierig.“
„Erzählen Sie,“ sagte der Baron. „Wenn es etwas Interessantes ist, etwas Rührendes, so konnten wir keinen schönern Platz, um es zu vernehmen, wählen. Die Nacht, welche Alles in unsicheren Conturen zeigt, regt ohnehin das Gemüth, die Phantasie auf, streift das Grelle, ich mögte sagen, das Rohe des Tageslichtes ab, und läßt uns selbst das Gewöhnliche ungewöhnlich, geheimnißvoll erscheinen. Wenn nun auch das, was Sie uns mittheilen wollen, bei Lichte besehen, etwas Alltägliches ist, so befinden wir uns jetzt und hier gerade in einer Stimmung, um demselben die schöne Seite abzugewinnen. Mag man mich für einen Nachtschwärmer halten; ich halte es mit der Nacht, und gewiß verdanken wir nur ihr die schönsten Gebilde, welche menschliche Phantasie schuf, welche ein menschliches Herz durch die Hand und die Feder auf das Papier hauchte.“