Der Trichter liegt — wie alle Menschen wissen, die in Hamburg waren, — der Reeperbahn gegenüber, und zwar in der Mitte zwischen dem Wege von dem Altonaer nach dem Hamburger Thore. Den ungeheuren Zuspruch den er hat, verdankt er theils dieser Lage, theils seinem geräumigen Locale und der Güte aller jener Getränke, Speisen etc., welche man dort erhält. Es ist nichts Seltenes, an einem schönen Sommer-Abende Tausende von Menschen beiderlei Geschlechts, dort zu finden, die in dem geschmackvollen Garten, auf der Gallerie um das Gebäude herum, sitzen, die schöne Luft genießen, dem Spiele einer ausgezeichneten Musikbande zuhören und die Vorübergehenden, Reitenden und Fahrenden betrachten. Die gewöhnliche Gesellschaft, die man dort findet, besteht meistens aus den Schiffs-Capitänen aller Nationen, deren Schiffe in Hamburg und Altona vor Anker liegen und die durch ihren Besuch die Kameradschaft mit ihrem ehemaligen Collegen, dem Besitzer des Trichters, aufrecht erhalten. Gewöhnliche Gäste des Trichters sind außerdem einige Officiere des Hanseaten-Corps in Hamburg, unter welchen der Lieutenant Strober einer der interessantesten ist; der mit dem einnehmendsten Wesen die Gabe besitzt, hinter einem guten Glase Stroberschen Bieres, d. h. Grog von Cognac, eine angenehme Unterhaltung zu machen. Ihm zur Seite erscheint gewöhnlich der Capitän Lani, dessen Leben reich an Aventüren mancher Art war, und dem es bei der Geläufigkeit seiner Zunge ein Leichtes ist, „einen ergötzlichen Faden abzuspinnen.“ Da diese beiden erwähnten Herren durchaus keine Menschenfeinde sind, so rathe ich einem jeden Fremden, der den Trichter besucht, ihre Bekanntschaft zu suchen, und versichere ihm, daß er, sehr befriedigt durch die Unterhaltung beider, dieselben verlassen wird. Zwischen den übrigen Gästen sind diese Herren leicht zu erkennen. Der Lieutenant ist fast immer in Uniform, sein hoher Wuchs, seine schlanke Taille, seine römische Adlernase und der stechende Blick seiner Augen, von denen er gewöhnlich das eine halb schließt, lassen ihn nicht leicht mit einem Andern verwechslen. Der Capitän ist gewöhnlich in einem schwarzen Fracke gekleidet, trägt ein Paar dunkelgraue Unaussprechliche, einen Schnurbart; den übrigen Bart aber wegrasirt, und hat Etwas in seinem Gesichte das Gutmüthigkeit und Schlauheit ausdrückt. Ein besonders großer Theil seines Gesichtes bildet die Nase, welche man aber weder eine römische, noch griechische, sondern nur, die Nase des Capitän Lani nennen kann.
Daß man im Trichter alle Zeit- und Literatur-Schriften findet, versteht sich von selbst. Auch ein vortreffliches Billard ist dort, auf welchem fleißig à la poule gespielt wird. Wer aber nicht gerade ein ausgezeichneter Meister, ein Monsieur Eugène, sein sollte, der wird dort schwerlich eine Poule gewinnen. Im Trichter findet man zwar eine Schenke, aber keine Schenk-Mamsellen darin, wenn gleich das Geforderte durch Personen weiblichen Geschlechtes verabreicht wird. Diese machen aber keinen Anspruch auf jenen Titel, sondern sind schlichte, rechtliche Bürger-Mädchen, in Hauben und gewöhnlichem Anzuge eines ordentlichen Hamburger Dienstmädchens. In der Mitte des Locales steht ein kupferner Ofen, dessen Röhren durch das ganze Zimmer laufen. Das Ganze ist einfach, aber elegant meublirt. Man sieht, daß der Geist des ehemaligen Schiffscapitäns noch nicht verschwunden ist, denn überall herrscht Ordnung, Reinlichkeit und Sauberkeit.
Nachdem ich meine Leser auf diese Weise eingetrichtert und dem Trichter die besten Empfehlungen gegeben habe, obgleich ich selbst nicht gerne dort sein mag, weil ich Menschen und das Menschen-Gewühl hasse, so ersuche ich sie, sich im Geiste im Trichter einzufinden.
Hippias und ich traten um elf Uhr dort ein. Der Baron und Herr Bleicamb waren schon dort. Wir begrüßten uns mit den gewöhnlichen Fragen und Antworten:
„Gut geschlafen?“
„Vortrefflich.“
„Angenehme Träume gehabt?“
„Keinen Katzenjammer?“
„Den habe ich nie.“
„Lieschen nicht im Traume erschienen?“