Achtens. Was ist Niesen? Niesen besteht in tiefem Einathmen, worauf dann eine heftige, abgesetzte, mit besonderem Geräusch verbundenen Exspiration erfolgt, die durch einen Reiz in der Nase erregt ist.

Neuntens. Was ist Gähnen? Gähnen besteht darin, daß die Inspirations-Muskeln sich unwillkührlich erweitern; zugleich erweitern sich auch die Lungen, nehmen viel Luft auf, und nachdem diese angefüllt sind, treten die Exspirations-Muskeln in besondere Thätigkeit. Bei der Exspiration und Inspiration öffnet sich der Mund. Dieses Oeffnen rührt von der angestrengten Thätigkeit der Streck-Muskeln der untern Kinnlade her.

Zehntens. Was ist Hauchen? Hauchen besteht in einem willkührlichen Ausathmen bei weiter Stimmritze und offenem Munde. Wird der Mund dabei meist geschlossen, so wird es Blasen. Tritt die Luft durch eine noch kleinere Oeffnung, so ist es Pfeifen; hierbei wird die Luft aber mehr zusammengepreßt, so, daß sie mit großer Kraft hervortritt.

Ich theile Ihnen diese Definitionen nicht mit, meine Herren, um mit einer erborgten Gelehrsamkeit zu prahlen. Wie gesagt, ich habe dieselben von einem jungen Arzte, und wahrscheinlich sind sie jedem Mediciner bekannt, vielleicht auch schon gedruckt. Ich wollte nur damit beweisen, daß es so hunderttausend Gegenstände giebt, die uns so unendlich nahe liegen, von denen wir uns keine Erklärungen geben können, weil wir sie nicht mit Aufmerksamkeit betrachten, und, daß es durchaus nicht nothwendig ist zu baroquen Behauptungen, Sätzen oder Annahmen unsere Zuflucht zu nehmen, um neu und interessant zu sein.“

„Ich bin Deiner Meinung,“ sagte ich. „Wir haben durchaus nicht nöthig uns das Unerklärliche erklären zu wollen. Es ist genug, nur das Erklärliche oder Natürliche richtig auffassen und erklären zu können, um ein großer Geist, ein bedeutender Schriftsteller zu sein. Das Geheimnißvolle in der Natur durchdringen wollen, ist lächerlich. Sunt certique denique fines. Die Gegenstände im Leben aber deutlich aufzufassen, zu durchdringen, die der menschliche Geist zu fassen im Stande ist, und sich keiner Täuschung oder Illusion, hinzugeben, das muß das Streben des vernünftigen Mannes sein. Sind wir dahin gelangt, daß wir keiner Täuschung oder Illusion im gewöhnlichen Leben Raum geben, so stehen wir auf der rechten Höhe. Wir verlieren zwar viel dabei, denn so bald keine Täuschung mehr möglich ist, hört die Phantasie auf, und das Herz verliert, was der Geist oder die Vernunft gewinnt. Jeder körperliche Gegenstand, von diesem Gesichtspuncte aufgefaßt, erscheint nur als Skelett, von jeder lebendigen, freundlichen Bekleidung entblößt.“

„Das ist ein fürchterliches Anmuthen,“ versetzte Hippias. „Auf diese Weise würde der Mann, wie er nach Deiner Ansicht sein sollte, Mephistopheles selber sein müssen.“

„Findest Du denn diesen so gar fürchterlich? Glaube mir, es giebt zehntausendmal ärgere Mensch-Teufel, als diesen interessanten Goethischen Teufel! Denke Du nur an Deine Geschichte von gestern mit Lieschen zurück. Thut Mephistopheles etwas Schlechteres, als was Du gethan? Hattest Du nicht Freude am Bösen? Ja, hattest Du nicht mehr, als er, den Genuß? Ich will freilich nicht leugnen, daß Mephistopheles gewiß auch diesen mit Vergnügen sich zueignete — aber das liegt für ihn im Bereich der Unmöglichkeit. Die Natur des Goethischen Teufels ist geschlechtslos.“

„Du scheinst die Teufels-Natur genau studirt zu haben. Das wußte ich noch nicht.“

„Ich habe diese Betrachtung aus dem Munde eines Hannoverschen Predigers, der mir die Geschlechtslosigkeit des Teufels durch die beiden Verse bewies:

„Ja wohl, mein Freund! Ich hab’ euch oft beneidet