Um’s Zwillingspaar, das unter Rosen weidet,“
oder mit anderen Worten, die beiden Verse mir durch die Geschlechtslosigkeit des Teufels erklärte. Der Goethische Mephistopheles ist überhaupt weiter nichts, als der Mensch ohne Illusion, der ohne Scheu, oder, wenn Ihr lieber wollt, ohne Schimpf und Schande, das „vor keuschen Ohren nennt, was keusche Herzen nicht entbehren können.“
„Und was ist denn Faust?“
„Faust? Das bist Du, der Baron, ich, kurz alle Menschen, denen noch der Doctor im Leibe steckt, die das wollen, was sie nicht können und eine ungeheure Idee von ihrem erbärmlichen homo sum haben, die sich für ein wundervolles Ganze halten, wenn der kluge Mephistopheles sich damit begnügt zu sagen: „ich bin ein Theil von jener Kraft“....“
„Und Gretchen?“
„Gretchen ist weiter nichts, als Dein Lieschen, nur, daß sie etwas empfindsamer und katholisch war, und sich ihrer Phantasie zu sehr überließ. Wenn Du es aber hochtrabender haben willst, so ist Gretchen das unterdrückte Angstgeschrei der gemordeten Unschuld, der Klagelaut der geopferten Weiblichkeit!“
„Das sind ja ganz neue Ansichten über den Faust!“ rief der Baron. „In den beiden letzten Puncten magst Du wohl Recht haben, Aristipp, was aber den Mephistopheles, anbetrifft so ist Dein Ausdruck: er sei der Mensch ohne Illusion, eine famose Paradoxe, die dir kein Mensch vergeben kann. Der Goethische Teufel, ist der wahre Teufel, der erst den Menschen zur Sünde verlockt, und dann, wie das böse Gewissen, sich an seine Schritte unablässig und verhöhnend heftet! Uns Menschen die Phantasie rauben, das Herz nehmen, ist ein abscheulicher Gedanke, und ich danke dafür, in einer Welt zu leben, die Du mit lauter Teufeln bevölkerst.“
„Wenn wir aber die Erbsünde annehmen, so sind wir in der That eine kleine Art von Teufeln, die von Grund aus schlecht sind, und zwar noch schlechter, als der Teufel selber, denn er war wenigstens gut, ein Engel, ehe er fiel.“
„Ich bin weit davon entfernt, die Erbsünde anzunehmen. Meiner Ansicht nach sind alle Menschen gut von Natur. Es ist ja wirklich wider alle gesunde Vernunft, anzunehmen, Gott habe die Menschen schlecht in die Welt gesetzt, um sie nachher für die Schlechtigkeiten zu bestrafen, deren Keim er selbst in sie legte. Ebenso widersinnig ist es, anzunehmen, daß Gott nach einigen tausend Jahren sich erst besonnen habe, es sei jetzt wohl Zeit, die Menschen aus den Klauen des Bösen zu reißen, seinen Sohn sandte, und durch das Blut der Versöhnung und die heilige Taufe die Menschheit rettete und die Erbsünde vernichtete.“
„Wenn Du auf diese Weise redest, so bist Du kein lutherisch-evangelischer Christ!“