„Was verstehst du unter dem Ausdrucke: anerkannte Soliditäten?“
„Das sind erstens alle Leute, welche Geld genug haben um „insgeheim“ ihre menschlichen Schwächen zu befriedigen; ihre Fehler und Lüste mit silbernem oder goldenen Mantel zu bedecken, und daher vor der Welt als moralische, sittliche Männer auftreten.
Zweitens Alle jene Leute, welche den Schein beobachten; die durch fleißiges Kirchengehen, Armen- und Krankenhäuser Besuchen; dadurch, daß sie Gott, Christum, Tugend, Thätigkeit und Grundsätze stets im Munde führen, ihren Ruf als heilige und christliche Menschen begründet haben.
Drittens die ganze Masse von ältlichen Frauenzimmern, heirathet oder nicht, die, weil sie nicht mehr sündigen können, weil Niemand sie zu verführen strebt, nichts anders thun, als ihre wohlfeile Ehrbarkeit und Tugend hervorzustreichen und über ihre Mitmenschen herzufallen. Zu dieser Classe gehören noch ausgemergelte Junggesellen, und diejenigen Ehemänner, welche in ihrer Jugend die leichtsinnigsten und ausschweifendsten waren, und es den jungen Männern nicht verzeihen, daß sie Fehler begehen, welche sie selbst begingen. Ein ander Mal mehr hiervon.“
„Wir sind grade vor einer Colonial-Waaren-Handlung, wo es gute Cigarren giebt. Laß uns hineingehen.“
Wir traten in das Haus des Kaufmanns, wo ein reinlich gekleidetes, rothbackiges Ladenmädchen uns ein Dutzend Cigarren und für einen Doppelschilling Schnupftaback verabreichte. Während ich bezahlte betrachtete Hippias ein Päckchen Taback, welches auf dem Ladentische lag und zeigte es mir. Das Päckchen war in ein Papier gehüllt, auf welchem vier rauchende Männer abgebildet waren, die um einen Tisch herum saßen und folgende sinnreiche Bemerkungen machten, die über ihren Köpfen zu lesen waren:
Der Eine sagte mit zufriedener Miene: „De Taback“ — Der Andere: „is got von Schmack“ — Der Dritte fragt neugierig: „wo köpt ji de?“ — worauf der Vierte erwiederte: „bi Sauké.“
Wir kauften der Merkwürdigkeit wegen dieses Päckchen; verließen das Haus, nachdem wir einige Blicke auf die schöne Besitzerin desselben geworfen hatten, welche in einem Nebenzimmer, in dessen Thüre ein Glasfenster angebracht war, mit weiblicher Arbeit beschäftigt saß.
„Eine wunderschöne Frau,“ bemerkte Hippias weggehend.
„Was noch mehr zu bewundern ist“ antwortete ich, „ist, daß sie ebenso tugendhaft, als schön ist. Sie hat zwei Schwestern von denen man dasselbe sagen kann. Das schöne Geschlecht in Altona ist überhaupt solide.“