„Hier wohnt Karl Aue und Hammerich und Lesser,“ bemerkte ich. „Schriftsteller, wie wir, empfinden immer ein gewisses Hochachtungs-Gefühl, wenn wir vor einer großen Buchhandlung vorbeigehen. Es müßte ganz angenehm sein dort verlegt zu werden, nicht wahr? Die Hammerichsche Verlagshandlung hat einen bedeutenden Ruf in Europa. Hammerich ist ein thätiger Mann und weiß die Verlags-Artickel richtig zu beurtheilen. Auch der Freihafen erscheint dort.“
„Eine Empfehlung für beide. Der Name des Verlegers thut oft soviel, als der Name des Schriftstellers. Ein Werk, das bei Hammerich und Lesser, oder bei Hoffmann und Campe verlegt worden, bedarf keiner weitern Empfehlung.“
„Du machst den Herrn ein großes Compliment; jedoch pflichte ich dir bei. Die Lessersche Leihbibliothek ist außerdem im ganzen Lande berühmt, und hat den Vorzug, daß man in ihr fast täglich Fr. Clemens antrifft, welcher dort die neuesten Werke liest.“
„Wer ist das?“
„Fr. Clemens! Clemens Gerke! da fragst du noch? Hast du denn nicht seinen „Spatziergang durch Hamburg;“ sein „Bei Nacht und Nebel;“ seinen „Jacob Stainer“ gelesen!? Du bist weit zurück. Ich rathe dir, auf alle Fälle, diese Bücher zu lesen. Du wirst in ihnen eine starke, männliche, wilde Phantasie finden, richtige Ansichten des Lebens und ein hochherziges Gemüth.“
„Ich werde deine Empfehlungen gewiß beachten, du scheinst sehr von diesem Manne eingenommen zu sein?“
„Du wirst es auch sein, wenn du seine Schriften gelesen, noch mehr aber, wenn du ihn selbst persönlich kennst und seine Ansichten und Grundsätze von ihm selber aussprechen hörst. Sie sind zeitgemäß, richtig und edel. Ueberhaupt, lieber Freund, obgleich ich ein aimable roué bin; so hat sich doch bei mir nie das Gefühl, die Empfänglichkeit für das Große, das Schöne, das Heilige, die Tugend und das Achtbare verloren. Wie hoch muß ich daher einen Mann schätzen, der von dem Grundsatze ausgeht: jeder Schriftsteller muß sich als Lehrer des Volkes betrachten, und wie sein Wort, das er an das Volk richtet, rein und edel sein muß; so muß auch sein bürgerlicher Lebenswandel rein und makellos sein.“
„Dein Clemens hat Recht, Aristipp. Das köstlichste Getränk aus einem schmutzigen, unreinen Gefäße angeboten, widert an. Du erregst meine ganze Neugierde diesen Mann kennen zu lernen, weil es so selten ist, in dem genialen Schriftsteller auch den sittlichen, moralischen Menschen achten und lieben zu können! Wir werden den Clemens wohl in den geselligen Cirkeln antreffen können.“
„Clemens Gerke! Du hast gut sprechen! Er ist nicht hochgeboren; nicht reich; kein graduirter Doctor! Er ist nur ein simpler Musikant, der noch dazu in einem öffentlichen Locale in St. Pauli spielt! Wie könnten die anerkannten Soliditäten, aus denen die hiesige, höhere Gesellschaft besteht, einen Mann in ihren Kreisen sehen, dessen Amati zum Tanze der Mädchen und lustiger Matrosen spielt!!! Guter Freund! Auf die Schaale kommt es hier an, nicht auf den Kern! Der Mann, seine Talente, gelten nicht, nur sein Titel; seine Firma oder sein Reichthum!“