„Gut. In diesem wohnt ein braver Mann. Ein Mann, der fähig ist sein Leben tausendmal zur Rettung seines Mitmenschen in die Schanze zu schlagen; dessen Manieren und Sprache aber nicht die des bon ton sind. Ich mache dich auf diesen Mann aufmerksam, weil es mir immer wohlthut in unserm entarteten Zeitalter einem Kraftmenschen, einem Urmenschen zu begegnen, der, wie ein Granitblock unter den ihn umgebenen Sandhügeln, unerschütterlich feststeht.“

„Du bist ein vortrefflicher Cicerone, Aristipp. Du kennst beinahe die Bewohner eines jeden Hauses. Was mich aber am meisten freuet, ist, daß du die guten Seiten der Menschen hervorhebst. Eine seltene Tugend in unsern Zeiten.“

„Von mir wollen wir einandermal sprechen. Betrachte hier die Hutfabrik des Herrn Dubbers, dessen Filze ebenso dauernd, als er selbst betriebsam und wohlthätig ist. Es ist sonderbar, daß in einer Stadt, wie Altona, die die größten Privilegien hat, so wenig Fabriken anzutreffen sind! Die Regierung läßt es nicht an Aufmunterungen fehlen — aber wohl fehlt der Unternehmungs-Geist den Bewohnern. Und nun, mein lieber Hippias, nahen wir einem Orte oder einem Hause, wo ich nicht vorübergehen kann. Ich bringe dich jetzt in einen Keller. Fürchte dich nicht vor diesem Souterrain. Man ist dort gut aufgehoben. Sieh nur hin! Vor dem Keller siehst du schon den hübschen, blondgelockten Küper stehen. Bemerke nur wie die Blicke der vorübereilenden Mädchen auf dem schmucken Burschen verweilen. Wahrlich! nicht Alle holen dort den Wein um des Weines wegen. — Doch wir sind da!“

Noch einige Schritte und wir befanden uns in dem Keller des Herrn Ahl. Ein reinliches Zimmer empfing uns. Vier Tische standen in demselben. An drei Wänden des Zimmers liefen mit Leder beschlagene Bänke einher. An der vierten Wand stand ein Ofen. Kein Körnchen Staub war auf Tischen und Bänken zu bemerken; auf den Tischen keine Spur gestandener Gläser zu sehen. Alles war einfach, reinlich und nett. Auf dem ersten Tische, rechts, wenn man in das Zimmer tritt, lagen eine Menge Zeitungen, Journale geordnet in einer Reihe; der Titel eines jeden derselben war auf dem obern Blatte zu lesen. An diesen Tisch setzten wir uns.

„Und nun zwei Gläser feiner Röthe! Eduard!“

„Zwei Durchschnitte oder einen Pohlschen?“ fragte der Küper.

„Zwei Durchschnitte.“

Einige Minuten später und das Geforderte stand vor uns. In den schönen, blanken Gläsern strahlte uns der köstliche Bordeaux purpurroth entgegen.

„Komm, Hippias! koste diesen vortrefflichen Wein. In ganz Hamburg und Altona giebt es keinen bessern! Welch ein Bouquet! Ist es doch grade, als ob Einem ein seidenes Tuch durch die Kehle gezogen würde! — Nun, Eduard, wie geht es?“