„Immer beim Alten, Herr Aristipp. Aber Ihnen? Man hat sie ja in einer Ewigkeit nicht gesehen! Wir glaubten Sie wären krank.“

„Nein, Eduard, ich war auf dem Lande.“

„Sie ruhten sich wohl etwas von den Strapatzen der Stadt aus. Es haben sich mehre Leute nach Ihnen recht angelegentlich hier erkundigt.“

„So? Also die Leute beschäftigen sich noch mit mir? Das ist mir lieb. Was würde auch aus Altona werden, wenn es nichts zu schnacken hätte!“

„Sie sollen in Wandsbeck gewesen sein, beim Wettrennen und dort viel Geld verloren haben, wurde neulich Abend hier erzählt!“

„Vortrefflich! Ich habe nie einen Fuß nach Wandsbeck gesetzt, und kenne von dem ganzen Dinge nur den Wandsbecker Boten. Es ist mir übrigens sehr einerlei, was die Menschen von mir reden. Die Stimme des Publikums, die öffentliche Stimme, geht in unsern Tagen nicht mehr vom Volke aus. Im allgemeinen ist es nur eine gewisse Kaste, die die öffentliche Meinung beherrscht. Neid, Verläumdung, Klatscherei, Bigotterie gehen immer Hand in Hand, und wer kein Betbruder, Mystiker oder Harmsianer ist, der kommt schlecht weg. Sie würden wohl thun, Eduard, uns noch zwei Durchschnitte zu geben.“

Der Küper ging; brachte die Gläser; stellte sie vor uns hin und zog sich alsdann bescheiden zurück.

Hippias hatte unterdessen eine Zeitung genommen und durchblätterte sie.

„Du findest hier alle mögliche Journale und Zeitschriften sprach ich nach einigen Augenblicken. Man könnte diesen Keller ein Lese-Cabinet nennen. Hier hast du die „Hamburger Neue Zeitung.“ Ein vortreffliches Blatt, das täglich älter wird, und doch immer neu bleibt. Wenn ich nicht irre, so werden die französischen und englischen Artikel von dem Doctor Fr. Wille redigirt. Ein gescheuter, kraftvoller, freisinniger Mann, eben so treffend, als richtig in seinem Urtheile. Ferner hast du hier den „Altonaer Mercur,“ der seinen morning-dress abgelegt hat, weil er nicht mehr haltbar war, und nun im evening-dress erscheint, nachdem er sich unter das mächtige Gestirn des freidenkenden Wienbarg begeben, und durch diese literarische Notbalität mehr populär und gelesen wird. Weiter findest du hier die „Hamburger Nachrichten.“ Brav und kurz geschrieben; ihrem gemeinnützigen Zwecke entsprechend. Das „Itzehoer Wochenblatt“ setzt dich von den innern holsteinschen Streitigkeiten und theologischen Fehden au fait. An seiner Vignette erkennst du gleich den populären „Freischütz.“ Die Braunschweigsche National-Zeitung mit ihrem Motto: Nunquam retrorsum, beweist dir, daß das Motto allein nichts hilft, wenn der Inhalt nicht mit demselben harmonieren darf. Schade, daß dem kräftigen Hermes so sehr die mächtigen Schwingen seines Geistes beschnitten werden! Jetzt findest du noch hier den aufmerksamen „Hamburger Beobachter;“ „den Freihafen,“ berühmt durch Beiträge von König und Varnhagen von Ense, und außerdem eine Menge von Modeblättern und Zeitungen für gebildete Stände. Nur zwei Zeitschriften vermisse ich hier ungerne: den Hamburger Unpartheiischen Correspondenten, und die kritischen und literarischen Blätter der Börsenhalle, in welchen Franz v. Florencourts treffliche Feder einem jeden deutschen Recensenten lehrt, wie man recensiren sollte.“