„Ich weiß es nicht genau. Einige sagen er befinde sich hier im Krankenhause; Andere im Armenhause. Ich hege aber die Hoffnung, daß es ihm gut geht, denn sonst würde er mir gewiß geschrieben haben oder zu mir gekommen sein. Er weiß, daß mein Haus und mein Beutel, wenn etwas darinnen ist, ihm immer offen stehen.“
„Das ist wahr! Altona kennt Deine Gutmüthigkeit aber die Menschen lachen Dich aus. Du stürzest Dich für Andere in Schulden! Das ist mehr, wie dumm!“
„Was geht das die Altonaer und Dich an, wenn ich sie bezahle? Ich bin nur meiner Familie in dieser Hinsicht Rechenschaft schuldig; verzeiht diese mir, so frage ich nach keines andern Menschen Billigung. Wenn meine Familie sonst keinen Grund auf mich stolz zu sein hat, so weiß sie doch, daß ich edler Gefühle fähig bin, und das ist ihr genug. — Es ist aber schon sehr spät. Wenn wir noch nach Altona wollen, so kostet es jeden von uns eine Mark Thorsperre. Laßt uns daher in Hamburg bleiben. Ich bin im Könige von Preußen bekannt, dort können wir bequem und gut logiren.“
„Wir haben nichts dagegen!“
Wir tranken unsern Rheinwein aus und eilten mit schnellen Schritten, da es regnete, dem Könige von Preußen zu; die Thüren thaten sich auf, Zimmer und Betten wurden bereitet; wir gingen zu Bette.
3.
Dritte lustige Fahrt.
Der Gasthof zum König von Preußen. Unterredung zwischen dem Baron und Aristipp. Glockenspiel des Petri-Thurms. Empfindungen. Die Sternschnuppe. Der belebende Hauch Gottes. Religiöse Ansichten. Gipsy. Der Keller des Herrn Unbescheiden. Der Doctor Riem aus dem Hannoverschen. Fanny, la Créole, und der Baron, eine Provençalische Geschichte. Plötzliche Abrufung des Herrn Herrmann Bleicamb aus der Gesellschaft. Gespräche über Ehe und Frauen. Der Hamburger Polizei-Diener und der Brief des armen Lieschen. Hippias Abschied von seinen Freunden. Allgemeiner Aufbruch. Aristipp allein am Monumente Klopstocks. Nachgedanken. Entschluß.
Das Gasthaus: „der König von Preußen,“ ist dem Herrn Richter gehörig und liegt, wie bereits gesagt, auf dem Neuenwall. Man muß diesem Gasthause das Lob ertheilen, daß Alles, was man dort erhält vortrefflich ist. Der Wirth ist ein Mann, der seine Sache versteht; an Wirthschaftlichkeit übertrifft gewiß keine Hôtesse Madame Richter, und in ihrer Tochter, der Madame Heller, findet jeder Reisende eine gebildete Dame. Die Kellner sind aufmerksam und zuvorkommend, sowie der Lohnbediente Baas, das Non plus ultra aller Lohnbedienten ist.
Meine Leser wissen aus dem Vorhergehenden, daß Hippias, der Baron, Herr Herrmann Bleicamb und ich die Nacht im Könige von Preußen zubrachten. Wir schliefen ganz vortrefflich. Das wunderschöne Glockenspiel des Petrithurms erweckte mich. Mit steigendem Entzücken hörte ich diesen bis in die höchste Höhe steigenden Accorden zu. Zufälligerweise wandte ich meine Blicke nach der Seite, wo das Bett stand, in welchem der Baron ruhte. Er saß halb aufrecht in demselben, und schien, wie ich, die Macht dieser reinen, ergreifenden Harmonie zu empfinden. Sein Auge begegnete dem meinen.