„Ist mir schon bekannt. Ich logire auch im Könige von Preußen; hörte Sie gestern Abend kommen, und fragte den Lohnbedienten, wer die Herren wären. Ich bin ein Freund aller Literaten, aller Genies, nur bedauere ich, daß sie so wenig bei uns gelten. Im Allgemeinen fehlt immer der nervus rerum gerendarum, das Geld, bei den Herren. Sie verzeihen meine Offenheit, aber ich sage immer gerne die Wahrheit, und die Lüge nur, wenn ich muß. Mundus vult decipi. Sie sind mir schon länger bekannt, wenigstens aus der Literatur. Ich habe Ihre Memoiren gelesen, sie sind auch wahrhaft interessant. Ist nicht auch etwas Poesie darin! Die Scene im Postwagen mit der Madame Mère der kleinen übelgewordenen Brut klingt etwas romantisch, denn von einer Bank auf die andere unbewußt zu gelangen, setzt einen fürchterlichen Stoß in einem todtenähnlichen Schlaf voraus. Und man mögte doch wohl annehmen, daß, was immer geschah, wachend vollbracht wurde; von solchen Stößen wacht man auf!“
Der Doctor lachte heiser in sich. Man konnte es ihm anmerken, daß er wußte, daß das, was er sagte, gefallen würde. Er irrte sich auch dieses Mal nicht.
„Aber nun sagen Sie mir einmal, meine Herren, was ist Ihre Absicht?“ fuhr der Doctor fort. „Schriftstellerei ist recht gut, aber eine sichere Anstellung ist noch besser. Nehmen Sie mir diese Frage nicht übel. Ventre Saint Gris! je ferais tou pour un homme d’esprit, pour un gentilhommae comme il faut!“
„Die Theilnahme eines gescheuten Mannes ist immer sehr schmeichelhaft für uns,“ bemerkte ich. „Ich glaube aber nicht, daß Sie etwas Anders für uns thun könnten, als, wenn sie uns einen Verleger verschafften.“
„So. Sie wollen also zusammen etwas herausgeben? Schön! Schön! Worüber handelt denn dieses neue Werk?“
„Es sind Lebens-Ansichten.“
„Auch über Politik darin?“
„Freilich! Welcher Mann wäre heutigen Tages im Stande, ein Buch zu schreiben, ohne das politische Capitel zu berühren?“
„Das ist wohl wahr, aber nehmen Sie sich in Acht. Die Censur ist zu strenge. Romane, Romane, mein Herr, das ist viel besser! Kein Verleger übernimmt gerne die Verantwortlichkeit der Herausgabe eines politischen Werkes. Haben Sie wohl die Predigten von Sackmann gelesen? Kennen Sie wohl Näheres über ihn? Ich wüßte einen Buchhändler, der es gerne sehen würde, wenn man ihm einige Beiträge zu der fünften Auflage dieses Werkes liefern würde.“