„Ich muß fort, so wahr ich Herrmann Bleicamb heiße!“ rief dieser, nachdem er das Billet gelesen. „Meine Frau ist wüthend, daß ich drei Tage ausgeblieben bin, und ist aus Aerger darüber zu früh niedergekommen. Na! da ist auch noch ein Glück dabei! Ich hätte doch nichts mehr für die Krabbe zu fressen gehabt! Empfehle mich meine Herren!“
Herr Herrmann Bleicamb rannte zur Thüre hinaus.
„Ein Rabenvater!“ bemerkte der Doctor. „Jedoch hat er nicht ganz Unrecht. Ein todtes Kind ist besser, als ein lebendes, das man nicht ernähren kann. Ich warne einen Jeden sich zu verheirathen. Hat der Priester einmal den Segen gesprochen, so tritt der Unsegen ein. Die Frau hat Rechte und weiß sie geltend zu machen.“
„Ich bin der entgegengesetzten Meinung,“ nahm der Baron das Wort. „Ich glaube, daß nur dann der Mensch zur Ruhe kommt, wenn er eine liebenswürdige, und verständige Gefährtin des Lebens gefunden.“
„Das glauben Sie jetzt — Sie werden später anders sprechen. Ich bin froh, daß ich mir ein Paar vom Halse geschafft habe, die mir noch jetzt Geld genug kosten. So leicht lasse ich mich nicht wieder fangen! Wozu soll es auch? Ist denn die Ehe etwas anderes, als die privilegirte Erlaubniß, mit einer Frau sich den irdischen Genüssen hingeben zu dürfen? Wozu soll der Priester dazu seinen Segen hergeben? Ich lobe mir ein Serail! Die Monotonie der Ehe langweilt. Ueberdieß trifft man unter 10000 Frauen, gewiß 1000 Untreue an, während man unter 100000 Maitressen oder Geliebten kaum 1000 Untreue antreffen wird.“
„Kann sein. Ich aber bin der Meinung, daß, wenn die Frau untreu wird, dieses lediglich die Schuld des Mannes ist, und ebenso umgekehrt. Ein zartes, inniges, glückliches Verhältniß kann ich mir nur unter zwei christlichen Eheleuten denken. Ich verabscheue den Gedanken an Vielweiberei. Es würde mir nicht möglich sein, meine Liebe unter mehrere Frauen zu theilen; wenn ich es könnte, würde ich mich selbst verachten.“
„Sie nehmen die Sache sehr ernst,“ meinte der Doctor.
„Alles, was Ordnung, die Gesetze und das Heilige, wie das Religiöse anbetrifft, nehme ich immer ernst.“
„Chacun a son gout! Verbrennen Sie sich nur erst einmal die Finger, und sie werden wohl einige andere Ansichten über die Ehe bekommen. Der Engel, den Sie in der Geliebten anbeten, wird zu einer rasenden, schnaubenden Megäre. Ihre Freiheit ist verloren. Das Auge der Eifersucht bewacht Sie schärfer, als alle Bediente der heimlichen Polizei. Sie werden unschuldig verdammt. Keine Entschuldigungen werden angenommen, Vernunftgründe und Beweise gelten nichts. Das Weib in seiner Eifersucht verliert den Verstand und tritt mit geschwungenem Stahl vor das Bette ihres Mannes, wenn der geringste Schein einer erträumten Schuld auf ihm haftet.“