Euch nichts von den herrlichen Bildern, die nicht auf den Krieg Bezug haben, doch wird nichts verloren sein.

Den. 5. September 1914,
1. Etappe, 66 Stunden Käfig ohne sich ausstrecken zu können.

Fortwährend Berührung mit Eisenteilen und Erschütterung — aber auf die gräßliche Nacht folgt dreimal nacheinander der strahlende Morgen und alle Müdigkeit verschwindet!

Wir sind kreuz und quer durch die französische Landschaft gefahren, von der etwas trockenen, aber so andeutungsreichen Heiterkeit der Champagne bis zur üppigen und kraftvollen Seelenruhe der Bretagne. Dazwischen sind wir an den rauschenden und feierlichen Ufern der Loire entlang gefahren, und nun . . . O mein herrliches Vaterland! Herz der Welt, in dem alles Göttliche auf Erden ruht, welch’ Ungeheuer zerfleischt Dich? Wesen, dessen Schönheit allein eine Herausforderung war . . .

Vorher liebte ich Frankreich in aufrichtiger Liebe, wenn auch etwas nach der Art eines Dilettanten; ich liebte es wie ein Künstler, der stolz ist auf dem schönsten Fleck Erde zu leben, aber im Grunde liebte ich es etwa wie ein Bild seinen Rahmen lieben könnte.— Es brauchte dieses Entsetzen, um mich das Kindliche, das Innige in den Banden, die mich mit meinem Lande verknüpfen, fühlen zu lassen . . .

Den 7. September (aus einem Tagebuch).

. . . Wir haben die Fahrt in das Unbekannte

angetreten, ohne irgend ein vorherrschendes Gefühl, außer etwa einer leidlich schönen Annahme des Unvermeidlichen. Doch die weicheren Regungen werden durch den Anblick der Opfer des Krieges wachgehalten. Wir sehen besonders Flüchtlinge. Arme Menschen! wahrhaft dem Boden Entwurzelte, oder vielmehr welkes Laub im Sturm, kleine Seelen in gewaltigen Ereignissen. Ganze Züge von Viehwagen, die kaum ihre Bestimmung gewechselt haben. Züge, in denen der Jammer dieser Entrissenen sich anhäuft, die, o wie bald, zur Herde werden! Das Elend hat sie aller menschlichen Errungenschaften entblößt. Wir bringen ihnen zu essen und zu trinken und dabei lernen wir sie kennen: der Mann trinkt, ohne an seine Frau, an seine Kinder zu denken. Die Frau erinnert sich ihres Säuglings, einige Weiber aber nehmen sich Zeit, ohne um die Hast der andern sich zu kümmern. Unter diesen Schiffbrüchigen berührt mich eine wie ein Stich mitten ins Herz. Eine siebenundachtzigjährige Greisin, in allen diesen Stößen herumgeschüttelt und herumgeschleppt, wird abwechselnd heraufgeladen und aus den rollenden Käfigen heruntergeschafft, so zitternd, so hülflos, so verloren . . .

Den 10. September (aus einem Tagebuch).

Wir kommen in eine von guten Nachrichten durchkreuzte Gegend: sehr deutlich bekomme ich den Eindruck, daß nunmehr das Schicksal Frankreichs