Den 1. Oktober.

Ich kann Dich versichern, daß ich in geistiger Beziehung soeben herrliche Tage erlebt habe, in deren Verlauf alles, was eitle Sorge war, durch einen neuen Geist weggefegt wurde.

Wenn Du je eine trübe Stunde hast und ein einziger meiner Briefe Dich erreicht, so soll er Dir sagen, wie erhebend und kostbar diese Qualen waren.

1. Oktober (aus einem Tagebuch).

. . . Aus alledem muß man folgern, daß unsere Leiden in jedem einzelnen ihrer Momente als die wunderbarste Quelle seelischer Bewegung und der Bildung für unser Gewissen zu betrachten sind. . . .

Jetzt weiß ich, welchem Gebiet mein Schicksal mich zuführt. Nicht mehr in das stolze, künstliche Land abstrakten Denkens, sondern auf den Weg der täglichen kleinlichen Sorgen und in ihren Dienst muß ich eine stets wachsame Feinfühligkeit stellen.

Ich sehe, wie leicht eine gerade Natur alles Künstliche im Ausdruck aufgibt, um tätig zu sein und einen heilsamen Einfluß auszuüben. Eine kostbare Belehrung, die mir im Falle der Rückkehr erlauben würde, weniger darunter zu leiden, wenn das Schicksal mir zu malen nicht mehr erlauben sollte.

Den 9. Oktober.

. . . Wie es scheint haben wir den Befehl, anzugreifen. So will ich denn dieses schwere Wagnis nicht unternehmen, ohne Dir meine Gedanken zuzuwenden in den wenigen Augenblicken der Sammlung, die wir haben. . . Alles trägt hier dazu bei, den Frieden des Herzens zu bewahren: die Schönheit der Wälder, in denen wir leben, das Fehlen geistig komplizierter Aufgaben . . . Es ist widersinnig, wie Du sagst, — und doch sind soeben die schönsten Stunden meines seelischen Daseins verflossen . . .

Wisse daß es auf Erden immer Schönheit geben wird und daß der Mensch niemals Bosheit genug haben wird, um sie zu zerstören. Ich habe genug gesammelt, um damit mein ganzes Leben zu schmücken. Möge das Schicksal mir Gelegenheit geben, daß ich