Mitten unter dem Geschwätz gelingt es mir, das Gefühl der Einsamkeit der Seele, die ich brauche, mir zu bewahren.
Den 18. November.
Diesen Morgen zeigte uns der Tag die Ebene mit Reif bedeckt, eine gleichmäßige Weiße über den Hügeln und dem Walde. Mein Dörfchen sieht dadurch ganz eingefroren aus.
Ich hatte den größten Teil der Nacht in einem geheizten Unterstand zugebracht und hätte, dank der Freundlichkeit meiner Vorgesetzten darin bleiben können; ich bin aber dumm und schüchtern und bin von ein Uhr bis vier und ein halb Uhr wieder bei den Kameraden gewesen.
Es ist merkwürdig, wie prachtvoll wir die Kälte ertragen: wir besitzen fast alle ein herrliches Kleidungsstück, einen Mehlsack, den man je nach den Umständen als kurzen Radmantel und als Fußsack gebrauchen kann. In beiden Fällen ein vortrefflicher Wärmeerhälter.
11 Uhr.
Für den Augenblick habe ich eine hübsche, so rührende Melodie von Händel im Sinn und auch ein Allegro aus unsern vierhändigen Orgelsonaten: eine fröhliche, glänzende, von Tatendrang übersprudelnde Musik. Lieber Händel! Oft tröstet er mich.
Beethoven kommt mir selten in die Erinnerung; wenn aber seine Musik in mir erwacht, rührt sie an etwas so Grundlegendes, daß es jedesmal ist, wie wenn eine Hand Schleier vor der Schöpfung wegrückte.
Arme liebe große Meister! Wird man ihnen daraus ein Verbrechen machen, daß sie Deutsche sind? Schumann, wie kann man ihn einem Barbaren zugesellen?
Gestern gemahnte unsere Ebene an die Stelle, die Du mir vor zehn Jahren aus „Rheingold“ vorspieltest: „Freie Gegend aus Bergeshöhen.“[8)] Worin aber unser französisches Bild die schöne Musik dieses häßlichen Mannes übertraf, das war die feste Grundlage, die Klarheit, die Aufrichtigkeit. Ja, unsere französische Ebene hatte nichts Verschwommenes.