In „Le Lys Rouge“ hat Anatole France unter dem Namen Choulette ein lebensvolles Bild von ihm entworfen; vielleicht findet sich dieses Buch bei uns.
Die Poesie in „Sagesse“ wirkt wunderbar und erbaulich durch den Schwung, die Leidenschaft der künstlerischen Absicht, der Neue. Es ist etwa wie wenn der Aufschrei der „Mainacht“ durch sein ganzes Werk hindurch erklänge.
Unsere beiden stärksten poetischen Begabungen im vergangenen Jahrhundert, Müsset und Verlaine, waren zwei Unglückliche, deren doch so herrliche und berauschende Blumenpracht keine
innere Stütze aufrecht hält. Ich langweile Dich vielleicht, indem ich Dir von gleichgültigen Dingen erzähle, aber es versenkt mich wieder ein wenig in mein vergangenes Leben. Seitdem ich das Glück habe Deine Briefe zu empfangen, habe ich nichts mehr aufgezeichnet. Glaube ja nicht, daß die Nebensachen mich das, was wir ersehnen und erhoffen, vergessen lassen; doch ich glaube, daß was den Schmuck des Lebens ausmacht, gerade das ist, was es für uns beide kostbar macht.
Ich erwarte Briefe von Dir seit dem letzten vom 22.; doch ich werde sicher einen hier im Quartier vorfinden. Ich danke Dir für das angekündigte Packet. Arme Mütter, wie sie alle sich quälen!
Den 1. Dezember, morgens, im Quartier.
Ich erinnere mich, wie ich mich freute, wenn ich als dienstfrei mich von meinen militärischen Obliegenheiten entbunden sah. Es schien mir, als wären mein Leben und meine Laufbahn unwiderruflich verloren, wenn ich mit sieben und zwanzig Jahren wieder zum Regiment müßte. Und nun bin ich mit acht und zwanzig Jahren tief im Soldatenleben drin, fern von meinen Arbeiten, meinen Sorgen, meinen ehrgeizigen Plänen, und nie hat mir das Leben eine solche Fülle von erhabenen Eindrücken gebracht: niemals vielleicht fand ich, um sie aufzuzeichnen, eine solche Fülle der Empfänglichkeit,
eine solche Ruhe des Bewußtseins. Das sind also die Gnadengaben einer Lage, die meine vernünftigen menschlichen Voraussichten mir als ein Verhängnis erscheinen ließen. Hier wirkt die von der Vorsehung mir beschiedene Lehre weiter, die allen meinen Befürchtungen zum Trotze, Segen in jede Veränderung meiner Lage hineinlegt.
Die beiden letzten Sonnenaufgänge gestern und heute waren wundervoll. . . .
Ich habe Lust für Dich eine kleine Skizze von der Aussicht meines Fensters zu machen. . . .