. . . . Ich mache es aus dem Gedächtnis, aber darüber stelle Dir die ergreifendsten Purpurstreifen vor und rechts und links noch endlose Ausdehnungen. Das zu betrachten war mir in der letzten Zeit mehrmals gegönnt. Augenblicklich bringt ein lieblicher Himmel Harmonie in die Obstgärten, in denen wir arbeiten. Mein kleines Amt befreit mich für einige Zeit von der Hacke. Das sind die Freuden, die von ferne mir als Katastrophen erschienen.

Den 1. Dezember, 2. Brief.

Ich habe soeben Deine Briefe vom 25., 26. und 27. erhalten, sowie einen lieben Brief von Großmutter, die so tapfer, so seelenvoll, so geistig frisch ist. Er machte mir viel Freude und bringt mir eine köstliche Hoffnung, deren glückliches Omen ich mit Freude annehme. Jeder Deiner lieben Briefe gibt mir auch, was das Leben für mich Schönstes

hat. Mein heutiger erster Brief antwortet auf das, was Du mir von der Annahme der Prüfungen und Zerstörung der Götzenbilder sagst. Du siehst, daß ich ganz wie Du denke und ich hoffe, daß ich zur Stunde kein allzu hemmendes Götzenbild im Herzen trage. . . .

Ich glaube, daß mein letztes Gebet in der Tat sehr einfach ist. Die Eingebung des Ortes hätte ein Gewand von zu überladener Kunst nicht geduldet. Gott war überall und überall Harmonie: die nächtliche Straße, von der ich Dir oft erzähle, der Himmel voll Sterne, das Tal voll Murmeln der Gewässer, die Bäume, die Kalvarien, die nahen oder fernen Hügel. Für etwas Künstliches wäre kein Platz gewesen. Ich brauche nicht darauf zu verzichten, Künstler zu sein; denn ich hoffe immer aufrichtig zu sein und meiner Kunst mich nur zu bedienen, um damit eine Überzeugung zu schmücken.

Den 5. Dezember, morgens.

. . . . Wir treten aus unsern Höhlen heraus, und auf die drei Tage klösterlicher Einschließung folgt der Morgen auf der weiten Ebene. Man kann sich keine Vorstellung von dem Durcheinander machen. — Dein hübsches Viertelchen aus Aluminium entzückt jedermann.

Ist’s schlimm mit der Wunde von André? Die Mütter stehen furchtbare Angst aus in diesem Krieg; doch immer mutig, nichts wird verloren

sein! Ich für mein Teil befinde mich wohl und bin so glücklich als es die Umstände ermöglichen.

Heute furchtbarer Wind, der wundervolle Wolken treibt. Kräftige Luft, mit der die Baumäste sich gut abfinden. Alle vergangenen Abende herrlicher Mondschein, den wir umsomehr zu schätzen wußten, als das Tageslicht uns entzogen war. Teure Mutter, ich schreibe heute schlecht, weil wir durch das Tageslicht wie betäubt sind, nach den Stunden in der Finsternis, aber mein Herz eilt Dir zu und findet in Dir seine Stütze.