Der Himmel wird wieder grau und kündigt einen feuchten Aufenthalt für unsere zweiten und ersten Linien an.

Der Tag geht zur Neige und die große Schwermut senkt sich auf alle Dinge. Es ist die graue Stunde für alle, die in der Ferne sind, für alle Soldatenherzen, die an das Heim zurückdenken und die Nacht über die Erde kommen sehen.

Ich gehe zu Dir und schon erwarmt mein Herz. Ich fühle Deine aufmerksame Zärtlichkeit und die Weisheit, welche Deinen Mut beseelt. Manchmal scheue ich mich, Dir immer dasselbe zu wiederholen; aber wie soll ich neue Worte finden für meine arme, durch immer dieselben Wechselfälle hin und her geworfene Liebe? Da wir bald von hier fortkommen, werden wir vielleicht manche Andenken, die wir aufbewahrten, verlassen müssen; aber die Seele darf sich nicht an Fetische festklammern. Unser Herz mag manchmal gewisse Dinge benutzen, aber unsere Liebe kann ohne Amulett bestehen.

Den 12. Dez., 10 Uhr (Postkarte).

Lieblicher Tag im Regen. Alles steht gut in unsern Wäldern. In der Nähe hat es furchtbaren Kanonendonner auf beiden Seiten gegeben.

Deine Briefe vom 4. und 6. empfangen. Ich freue mich darüber. Es ist das wahre Glück meines Lebens. Ich bin froh, daß Du C. . . . besucht hast. Ich hoffe Dir ausführlicher zu schreiben. Nicht als ob es mir mehr als sonst an der Zeit fehlte, aber ich durchlebe Tage, wo ich für die Schönheit der Dinge weniger empfänglich bin. Ich strebe der wahren Weisheit zu. . . .

Den 12. Dez., 7 Uhr nachmittags.

Trotz der wechselnden Schönheit der Sonne und des Regens war ich heute für das Schauspiel der Natur nicht empfänglich. Und doch war nie soviel Anmut und Güte am Himmel.

Die Landschaft mit dem Brücklein und seinem Reiter, von der ich Dir erzählte, wurde von weicher Anmut unter der Pracht der Wolken durchdrungen. Aber ich empfand nicht wie früher den Segen Gottes, als plötzlich ein schöner, so schöner Baum zu meinem Herzen gesprochen hat. Er hat zu mir von der stets lächelnden Schönheit, der Frische des Epheus, geredet, von der herbstlichen Röte, von der winterlichen Schärfe der Zeichnung in den Baumästen; da habe ich begriffen, daß eine Stunde in solcher Betrachtung das ganze Leben

ist, dem Dasein seinen Wert verleiht, neben dem alles menschliche Erwarten nichts ist als ein böser Traum.