Sonntag, den 13. Dezember.

. . . . Ich ging heute nach einer erquickenden Nacht in diesen Wäldern spazieren, wo vor nunmehr drei Monaten die Toten den Boden bedeckten, heute breitete der Spätherbst seine Schätze aus und dieselbe Schönheit der bemoosten Stämme redete zu mir, wie gestern, von ewiger heiterer Anmut.

Es bedarf allerdings einer ungeheuren aber unerläßlichen Selbstüberwindung, um zu begreifen, wie wenig die allgemeine Harmonie gestört wird durch die Ereignisse, deren Anblick unser Empfinden gewaltsam erschüttern.

Man muß durch Erfahrung erkennen, daß ein körperlicher Riß wenig bedeutet und daß unser wahres Ich in dem Aufschwung der Seele liegt.

Den 14. Dezember
(bei herrlichem Wetter und
wiedergewonnener Seelenruhe).

Wir sind jetzt wieder in unserem Abschnitt der Feuerlinie, aber an einer Stelle, wo man den Kopf heben und die Anmut meiner teuern Maashügel genießen kann, die eine zarte Beleuchtung aufheitert.

Ich sehe über den Dörfern und den Obstgärten die Birken- und Tannenreihen. Die einen färben

ihr Baumskelett mit duftigem, weißgeädertem Violett, die andern unterstreichen die Horizontlinie mit ihren satten Farben.

Ich wurde innerlich gestärkt durch die wunderbare Lehre, die mir während eines Marsches ein schöner Baum gegeben. Ach, liebe Mutter, alles an uns kann untergehen, die Natur besteht darum nicht weniger herrlich und, was sie mir in Augenblicken von ihren Gaben geschenkt, genügt, um ein ganzes Leben zu rechtfertigen. Dieser Baum war wie ein Soldat!

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie viel die Wälder in dieser Gegend gelitten haben: nicht sowohl durch Beschießung als durch das furchtbare, für den Bau von Unterständen und unsere Heizung notwendige Abholzen. Und doch mitten in dieser Verwüstung erzählte mir dieser Baum, daß für den Baum und den Menschen Schönheit immer bestehen wird.