Es ist unmöglich, mehr als wir getan, über die Haltung zu sagen, die wir den Ereignissen gegenüber einnehmen müssen. Worauf es ankommt, das ist die Ausführung. Sie ist nicht leicht; ich habe es dieser Tage erfahren, obgleich keine neue Schwierigkeit meinem Bemühen, die Weisheit zu erreichen, in den Weg trat.

. . . Manchmal faßt man eine gewisse innere Unruhe, die an einem nagt, als die Stimme eines wachsamen Gewissens auf.

Den 16. Dezember.

Hier in unsern Unterständen habe ich Dein kleines, leider arg zerknittertes Skizzenbuch hervorgeholt und habe versucht, einige Linien des Landschaftsbildes zu zeichnen. Die Kälte ließ mich aufhören und ich kehrte unbefriedigt zurück; da hatte ich den Einfall einen Kameraden Modell stehen zu lassen. Ich kann Dir nicht meine Freude schildern, als etwas dabei herauskam! Ich glaube,

daß meine kleine Bleistiftzeichnung mir geglückt ist. Sie ist in einem Briefe fort für irgend einen „Schatz“. Es war mir ein wahrer Genuß zu fühlen, daß ich meine Fähigkeiten nicht eingebüßt habe.

Den 17. Dezember
in einem neuen Quartier.

. . . Gestern wurden wir von unsern Gewohnheiten herausgerissen, im Augenblick, wo ich, nach drei Tagen vollkommener Ruhe, die Schützengräben erster Linie verließ. Man hat uns einen Standort angewiesen, wo wir den 6. und 7. Oktober zugebracht hatten. Man spürt in der Luft, daß Neues im Anzug ist. Ich weiß nicht was daraus wird; doch die heitere Ruhe des heutigen Tages gilt mir als eine gute Vorbedeutung für alles Kommende.

Es gab die letzten Tage wunderbare Anblicke, die ich jetzt besser inne werde, als in jenen wenigen Tagen der Niedergeschlagenheit. Es kam daher, daß ich mich kleinlichen menschlichen Berechnungen hingegeben hatte.

Ich schreibe Dir an einem Fenster, von dem aus ich die Sonne untergehen sehe. Du siehst, daß es für uns immer Gutes gibt.

3 Uhr nachmittags.