. . . . Ich schreibe an diesem Brief weiter in der Dämmerung eines einzigartigen Winters; der Tag schläft ebenso friedlich ein wie er erwachte. Ich sehe die Wäscherinnen unter der Baumreihe,
die sich an einem Fluß entlang zieht; der Friede ist überall, ich glaube selbst in den Herzen. Die Nacht bricht herein. . . .
Den 19. Dezember, im Quartier.
Lieblicher Tag, der um den Tisch herum seinen Abschluß findet. Stille. Zeichnen. Musik. Ich denke mit Ruhe an die Länge der kommenden Tage, indem ich sehe, wie rasch die vergangenen Tage verflogen sind. Die Hälfte dieses Monates ist nun vorüber, das Weihnachtsfest kommt, während des Krieges. Für mich heißt es nur noch, mich unsern Lebensbedingungen wirklich anzupassen, dann mit Hülfe unserer Gemeinschaft zu einer Annahme der Dinge zu gelangen, die einer höhern Ordnung angehört als die menschliche Tapferkeit.
Den 21. Dez., morgens früh.
Teuerste Mutter!
Ich habe in meinen Briefen mit Offenheit von meinen Freuden gesprochen, aber die Klippe des Glückes ist, daß unsere arme menschliche Natur stets in Angst ist, es zu verlieren, ohne zu erkennen, daß erfahrungsgemäß die ewige Ordnung immer ein neues Glück neben das alte Glück stellt.
Ich für mein Teil brauche kein neues zu suchen. Ich muß versuchen, beide Weisheiten zu vereinigen. Die eine, die menschlich ist, treibt mich dazu an, für mein Glück zu sorgen, die andere
aber lehrt mich, daß dieses menschliche Glück eine gar zarte Blume ist.
Man könnte sagen: Genießen wir die Freuden des Lebens, die ein unerbittlich strenges Gewissen ausgewählt hat, aber erkennen wir, was sie alle Vergängliches in sich haben.