Ich bin herzlich froh, diese paar Monate verlebt zu haben. Sie haben mich gelehrt, was man

aus dem Leben machen kann, in welcher Form es sich uns auch zeigen möge.

Meine Kameraden sind wunderbar in ihren Offenbarungen französischer Eigenart. . . . Sie scherzen, aber ihr Scherz ist die äußere Hülle eines herrlichen seelischen Mutes.

Mein großer Fehler als Künstler ist, die Seele meines Volkes stets mit einem schönen, mit meinen eigenen Farben bemalten Gewande kleiden zu wollen. Diese Menschen gehen mir manchmal auf die Nerven, wenn sie mein schönes Kleid beschmutzen; in Wahrheit würde es sie arg daran hindern, ihre Pflicht zu erfüllen, wie sie es tun.

Weihnachten in der Frühe.

Welche einzige Nacht! — Nacht ohne Gleichen, in der die Schönheit siegte, in der trotz ihrer blutigen Verirrungen, die Menschheit die Wahrheit ihres Bewußtseins bewiesen hat.

Wisse, daß bei gelegentlichem Gewehrfeuer, ein Gesang ohne Unterbrechung auf der ganzen Schützenlinie sich erhob!

Uns gegenüber sang eine wundervolle Tenorstimme das Weihnachtslied des Feindes. Viel weiter zurück, hinter dem Höhenzug, dort wo unsere Linien wieder anfangen, antwortete die Marseillaise. Die wundervolle Nacht verschwendete ihre Sterne und Meteore. Hymnen, Hymnen überall.

Es war die ewige Sehnsucht nach Harmonie, der unbezwingliche Aufschrei nach Ordnung in Schönheit und Eintracht.

Ich für mein Teil habe meine Erinnerungen eingewiegt, indem ich die köstlichen Melodien der Kindheit Jesu[16)] wachrief. Die jugendliche Schönheit, die Taufrische dieser französischen Musik rührten mich. Ich dachte an den berühmten Schlaf der Wanderer und den Chor der Hirten. Ein Satz, den die Jungfrau Maria singt: „Der Herr hat für meinen Sohn diese Stätte gesegnet“, ließ mein Herz erzittern. Die Melodie sang in mir, während ich in diesem Häuschen saß, dessen Nachbar in Flammen steht und das selbst einem recht kümmerlichen Schicksal geweiht ist.