Ich dachte an alle mir gewährten Freuden, ich dachte, daß vielleicht in dieser Stunde Du für mich um Segen flehst über meine Zufluchtsstätte. Der Himmel war so schön, daß er mir eine günstige Antwort zu gewähren schien; ich wünschte aber ganz besonders die Kraft zu besitzen, um eines fortwährend zu flehen, um Weisheit zu jeder Zeit, eine Weisheit, die zwar menschlich ist, aber trotzdem vor jeder Überraschung sicher ist.

Jetzt überflutet die herrliche Sonne die Ebene, und ich schreibe Dir beim Kerzenlicht, von Zeit zu Zeit gehe ich aber und betrachte sie von den

Hintergärten aus. Alles ist licht, und die verlassene Ebene empfängt den Frieden von oben.

Ich gehe in unser Zimmer zurück, wo im Dämmerlicht die Kupferbeschläge der wundervollen Betten der Maasgegend und das geschnitzte Holz der Schränke schimmern. Alles hat durch den schlechten Gebrauch, den die Soldaten davon machen, gelitten, verschafft uns aber eine wirkliche Behaglichkeit. Wir haben Bestecke gefunden, Tafelgeschirr und haben zwei Tage nacheinander Schokolade in einer Suppenschüssel bereitet. Üppigkeit!

O liebe Mutter, wenn mir Gott die Freude der Rückkehr gewährt, welche Jugend hat mir diese außerordentliche Zeit wieder geschenkt! Wie ich meinem lieben P. schrieb, führe ich hier das Leben eines Kindes unter so schlichten Menschen, daß wenn auch sehr vereinfacht, meine Lebensart für meine Umgebung noch recht umständlich ist.

Teuerste Mutter, dieser sehr lange Krieg entwickelt unsere Fähigkeit im Dulden auszuharren; ich habe aber das Gefühl, daß sich alles so verwirklicht, wie es mir vorauszuahnen vergönnt war. Ich glaube, daß diese langen Zwischenzeiten der Untätigkeit das geistige Werkzeug in mir werden ruhen lassen. Wenn ich das Glück habe, es wieder benutzen zu dürfen, wird es zwar einige Zeit brauchen, um sich wieder in Bewegung zu setzen, aber welche neue Triebkraft wird es besitzen! Mein

letztes Werk war reine Gedankenarbeit und mein Ehrgeiz, den alles rechtfertigen kann, ist meinem Gedanken mehr greifbare Form zu verleihen, je mehr er sich entwickeln wird.

Sonntag, den 27. Dezember, 9 Uhr.
5. Tag in der Schützenlinie.

Es scheint, daß die fürchterliche Stellung, die wir am 14. Oktober mutig behauptet haben und die unmittelbar darauf durch unsere Nachfolger verloren ging, wieder genommen wurde, mehr als 200 Meter, aber um den Preis von 100 Mann, die kampfunfähig sind.

Liebe Mutter, der Mangel an Schlaf nimmt mir den Verstand. Man bedarf zwar wenig davon für den täglichen Gebrauch in diesem Dasein, aber ich hätte gerne mit Dir geplaudert. Mein Trost ist, daß unsere gegenseitige Liebe keinen Ausdruck braucht.