Weniges mitzuteilen. Ich bin arg abgestumpft durch den gestrigen Tag, den ich ganz im Dunkeln zugebracht habe. Dabei sah ich noch von meinem Platz aus einen hübschen Baum am Himmel.
Diesen Morgen sah ich in der lieblichen Dämmerung einen schönen außerordentlich leuchtenden Stern. Ich hatte Kohlen und Wasser geholt und auf dem Rückweg war dieser außerordentliche Stern immer noch sichtbar, obgleich der Tag schon hell war. Mein Gefreiter, der mit mir von Strauch
zu Strauch unserm Hause zustrebte, sagte mir: „Weißt du, was das ist, dieser Stern? Nun! es ist das Erkennungszeichen für die feindlichen Patrouillen.“ Es war so, und zunächst war ich über die Entweihung des Himmels empört; dann aber, abgesehen von der sinnreichen Erfindung dieses Verfahrens, sagte ich mir, daß dieser Stern für die armen Leute auf der andern Seite die Richtung der Rettung bedeutete. Ich habe ihm weniger gezürnt. Er hatte mir so viel Freude gemacht, daß ich mich entschloß, bei meinem ersten Eindruck zu verbleiben.
Den 30. Dezember.
Gestern abend empfing ich Deinen Weihnachtsbrief. Vielleicht hast Du zur Stunde, wo ich Dir schreibe, den meinigen vom selben Tag erhalten. Damals genoß ich trotz der Gefahr die Schönheit der Landschaft, heute aber muß ich Dir gestehen, daß sie mir einigermaßen vergiftet ist durch das, was man von dem letzten Gemetzel erzählt.
Den 26. hat man uns in unseren Kampfstellungen gelassen, die wir zu gewöhnlichen Zeiten nur nachts besetzen. Wir wurden an diesem Tage in unserer rein defensiven Stellung bevorzugt, nur daß wir der feindlichen Beschießung ausgesetzt waren; aber zu unserer Rechten erhielt ein Regiment unserer Division, das eine unserer schrecklichen Stellungen vom 14. Oktober einnahm, einen
furchtbaren Auftrag, dessen unglücklicher Ausgang mehrere hundert Menschenleben gekostet hat. Hier in unserm großen Dorf, wo unsere gute Wirtin, wie wir auch, die Opfer kannten, ist alles in Trauer.
Am selben Tage.
. . . . Nichts greift die Seele an. Die Angst mag freilich manchmal groß sein, besonders die Vorahnung; aber die Fragen der Zukunft ordnen sich der willigen Annahme des Gegenwärtigen unter. Das Wetter ist mild und die Natur gleichgültig. Die Toten werden den Frühling nicht stören . . . .
Und wenn einmal die Schrecken des Augenblicks vorüber sind, wenn man dann sieht, welchen Platz die Erinnerungen an die Dahingeschwundenen einnimmt, empfindet man ein fast süßes Gefühl bei dem Gedanken an das, was wirklich besteht. In diesen düstern Wäldern erkennt man, wie nichtig die Gräber- und Leichenfeiern sind. Die Seele dieser armen braven Menschen braucht das alles nicht. . . .