4 Uhr. — Ich vollende das vierte Bild; ein Leutnant meiner Kompagnie. Entzückt! Der Tag geht zur Neige. Ich sende Dir mein stets mutiges Gedenken, Hoffnung und Weisheit.

Vom 3. Januar 1915.

. . . . Gestern, nach der ersten Befriedigung, die ich empfand, als ich mich von den groben

Arbeiten befreit sah, habe ich meine Stückchen Tressen betrachtet und fühlte mich zunächst erniedrigt; denn statt der gewaltigen an keinen Titel geknüpften Überlegenheit, die mich aus jeder militärischen Bewertung ausschloß, war ich eine untere Nummer in der Rangordnung geworden.

Aber sofort fühlte ich, daß, so oft ich meine roten Tressen ansah, ich meiner sozialen Pflicht mich erinnern müsse, die mein Individualismus zu oft vergißt. Ich fühlte, daß ich meine Seele auszubilden immer in der Lage bin, von ihr nur eine unbedingtere Anspannung werde verlangen müssen.

Den 4. Januar (abgeschickt den 7. Januar)
in einem Minengang

Ich schreibe Dir am Eingang eines unterirdischen Ganges, der unter die feindliche Stellung führt. Mein kleiner Posten hat den Auftrag, für die Sicherheit der Pioniere des Geniekorps zu sorgen, die einen schon ein Dutzend Meter vorgedrungenen Gang graben, mit Balken stützen und festigen. Um dorthin zu gelangen, stampfen wir im Schlamm bis zu den Schenkeln; aber unsere acht Stunden Wache sind durch eine Erdschicht von mehreren Metern geschützt.

Ich habe sechs Posten, mit denen ich drei Tage lang ein Dasein von Schlaflosigkeit und Entbehrungen teile. Das ist das Einweihungsfest meiner neuen Stellung, aber ich bin froh, mich wieder

ein wenig in den Prüfungen vergangener Tage zu stählen. . . .

Es könnte übrigens geschehen, daß mir das Amt, das ich in Vertretung versah, in einigen Tagen nunmehr wirklich übertragen wird. Scheußliches Wetter: und um das Unglück voll zu machen, habe ich einen ganz neuen Schuh verbrannt und bin, wie die andern übrigens auch, in einem wahren Bad, aber in vortrefflicher Gesundheit.