Teuerste, ich will etwas schlafen gehen.
Den 6. Januar, abends.
Teure Mutter, wir sind jetzt wieder im Quartier nach zweiundsiebzig Stunden ohne Unterbrechung und Schlaf, in einem namenlosen Sirup von Regen und Schlamm. Ich habe verschiedene Briefe von Dir erhalten. Liebe, teuerste Mutter, der letzte ist vom ersten. Wie ich sie liebe! Doch um Dir von allem erzählen zu können, will ich zuerst ein wenig schlafen.
Den 7. Januar, gegen mittag.
Diesen abgebrochenen Brief vollende ich im Polizeiraum, von wo mein Halbzug auf Wache zieht.
Das Wetter ist immer scheußlich. Diese Verschiebung des ganzen Daseins ist unerhört. Wir sind im Wasser, die Wände sind voll Schlamm, der Boden und die Decke auch.
Den 9. Januar.
. . . . Mancher Trost fehlt mir in diesen Tagen wegen des Wetters. Dieser entsetzliche Schlamm erlaubt nicht das Geringste zu schauen. Ich schließe, indem ich innig unsere Liebe, den festen Glauben an eine Gerechtigkeit anrufe, die höher ist als unsere menschliche.
Liebe Mutter, Sendungen brauche ich tatsächlich nicht. Die Entbehrungen sind augenblicklich anderer Art, doch immer Mut. Wenn man nur sicher wüßte, daß die seelische Anstrengung Früchte tragen wird!
Den 13. Januar, im Schützengraben, in der Frühe.