Weise erkaltet; man muß einen neuen Guß vornehmen und die Masse nochmals dem Feuer aussetzen. Das ist die Aufgabe der Gewalttätigkeit in der menschlichen Entwicklung; aber diese nützliche Gewalttätigkeit darf uns nicht vergessen lassen, was unser ästhetisches Bürgerleben an dauerhafter Ordnung in Frieden und Harmonie errungen hatte. Unsere Qualen kommen gerade daher, daß wir das nicht vergessen können.

Den 20. Januar, früh morgens.

Glaube nicht, daß ich mir den Schlaf rauben lasse. In dieser Beziehung ist unsere Hygiene sehr unregelmäßig; bald schlafen wir drei Tage und drei Nächte, bald ist es umgekehrt.

Augenblicklich fängt die Natur wieder an, mir ihren Trost zu bringen. Die fürchterliche Regenzeit wird durch schöne Kältetage unterbrochen. Wir leben in einem schönen Frost- und Schneewetter, der harte Boden festigt unsere Schritte.

Mein bescheidener Rang bringt mir die Möglichkeit ein, mich etwas abzusondern. Ich habe nicht mehr meinen schönen nächtlichen Gang, aber am Tag erlaubt mir die Befreiung von dem Arbeitsdienst die Schönheit der Dinge zu genießen. Gestern unvergeßlicher Sonnenuntergang. Ein Himmel wie Schaum, in dem zarte, farbige Streifen sich zerfasern; unten die kalte Bläue des Schnees.

Liebe Mutter, es war ein Heimwehabend. Diese

Verse, die mir so vertraut sind, klangen friedlich an mein Ohr:

Mein Kind, meine Schwester,

Denke, wie süß es wäre,

Dorthin zu gehen, mit Dir zu leben . . .