unsere Söhne und Brüder von der Front zu uns trugen, die hehre Melodie, die heute noch von dem ganzen kämpfenden Frankreich aufsteigt. In allen zur Erfüllung der hohen Pflicht versammelten Kameraden hatte er deutlich erkannt, was er Tiefes und Schönes in sich selbst entdeckte, und deswegen spricht er immer von ihnen, besonders von den einfachsten, mit soviel Liebe und Ehrfurcht. Was ein solches Leben, fern von den gewöhnlichen Sorgen und ehrgeizigen Träumen, so rauh, so kümmerlich mitten unter den ewigen Erscheinungen, ihnen allen bringt, ist eine bis dahin unbekannte „Großzügigkeit in den Bewegungen und Gedanken“, „die heitere Ruhe des Gewissens“ und die Frische einer Empfänglichkeit, die sich allen Erscheinungsformen der Natur harmonisch anpaßt. Sie spiegeln nur noch die Natur in sich wieder. Weil sie sich selbst hingegeben und vergessen haben, hat sich für sie Alles in wunderbarer Weise vereinfacht. Sie erlangen die Durchsichtigkeit der Seele und die Erleuchtung der Kindheit wieder. „Wir verleben kindliche Tage, wir sind Kinder geworden“. (24. Dezember.)

Diese Verjüngung des Herzens, unter der täglichen Drohung des Todes, diese kindliche Ahnungslosigkeit in der täglichen Erfüllung der heroischen Pflicht, ist das nicht ein Zustand, der an die Gottseligkeit grenzt?

André Chevrillon.

Briefe eines Soldaten

Den 6. August 1914.

Teuerste Mutter!

Das sind die ersten Tage meines sehr bewegten kriegerischen Daseins; aber die Müdigkeit, die ich empfinde, ist von dem, was ich erwartete, sehr verschieden. Ich lebe in einem Zustand starker nervöser Spannung infolge des Mangels an Schlaf und köperlicher Bewegung. Ich führe hier das Leben eines Beamten. Ich gehöre zu dem, was man Ersatzmannschaft nennt, d. h. die seßhafte Abteilung, welche den regelmäßigen Gang derjenigen Dienstzweige sichert, die nie unterbrochen werden dürfen, auch nicht während der Abwesenheit der Truppen, und die ferner dazu bestimmt ist, die Lücken auszufüllen, die etwa in der Feuerlinie entstehen. Was uns fehlt, ist zu wissen, was vorgeht. C.-T. ist eine Stadt, in der man keine Zeitungen mehr bekommt.

Den 13. August.

Wir sind ohne Nachrichten; während mehrerer Tage wird es so bleiben, denn die Zensur ist außerordentlich streng.

Hier ist das Leben ruhig. Das Wetter ist prächtig und alles atmet Ruhe und Vertrauen. Wir denken an die, welche bei dieser Hitze kämpfen,